Car Reviews · Autobahn · POV — jede Woche neu

Mazda CX-60 3.3 e-Skyactiv D im Test: Der Sechszylinder-Rebell gegen den Downsizing-Trend

In einer Ära, in der fast alle Automobilhersteller auf Motorendownsizing und knopflose Touchscreen-Landschaften setzen, geht Mazda bewusst einen komplett anderen Weg. Der Mazda CX-60 des Modelljahres 2026 beweist eindrucksvoll, dass Hubraum und traditionelle Ergonomie im modernen SUV-Segment nach wie vor eine Daseinsberechtigung haben. Das japanische Flaggschiff basiert auf der sogenannten Large Plattform-Architektur, die speziell für den Längseinbau von großen Motoren und einen primär hecklastigen Antrieb konzipiert wurde. Der Einstiegspreis für den CX-60 beginnt bei 50.950 € in der Basisversion. Unser Testwagen rollte in der hochwertigen Homura Plus-Ausstattung (neben Linien wie Prime-Line, Exclusive-Line, Homura, Takumi und Takumi Plus) und mit dem großen Reihensechszylinder-Diesel an den Start, was den Gesamtpreis auf rund 70.000 € klettert.

In den Abmessungen präsentiert sich der CX-60 mit einer Länge von 4,75 Metern, einer Breite von 1,89 Metern (mit eingeklappten Spiegeln) und einer Höhe von 1,69 Metern als stattliche Erscheinung. Der Radstand fällt mit 2,87 Metern üppig aus. Optisch zieht das SUV in der legendären Sonderlackierung „Soul Red Crystal“ (1.200 € Aufpreis) die Blicke auf sich. Die extrem lang gestreckte Motorhaube, bedingt durch den mächtigen Längsmotor, dominiert die Silhouette. Die Front wird von einem massiven Kühlergrill geprägt, der große Mengen an Kühlluft durchlässt, was im Anhängerbetrieb essenziell ist. Flankiert wird der Grill von adaptiven Matrix-LED-Scheinwerfern, die nachts eine solide Ausleuchtung bieten. Schwarze Kontrastelemente und markante 20-Zoll-Leichtmetallfelgen unterstreichen den sportlich-edlen Anspruch.

Fahreindruck

Auf der Straße offenbart der Mazda CX-60 einen ganz eigenen, unverkennbaren Charakter. Herzstück des Fahrverhaltens ist das im Zuge des jüngsten Faclifts komplett überarbeitete Fahrwerk. Während das Vorgängermodell in Tests oft als zu weich und hölzern kritisiert wurde, spendiert Mazda dem aktuellen Modelljahr eine neue Doppelquerlenkerachse vorn, eine Mehrlenkerachse hinten sowie extrem steife Aluminium-Domlager. Das Ergebnis ist eine spürbar straffere, sportlichere Abstimmung. Der CX-60 lässt sich präzise und sicher dirigieren, bügelt grobe Unebenheiten verlässlich weg und glänzt mit minimalen Wankbewegungen. Für zusätzliche Stabilität in schnellen Kehren sorgt das aus dem Roadster MX-5 stammende KPC-System (Kinematic Posture Control): Es bremst das kurveninnere Hinterrad dezent ab, zieht die Karosserie geradlinig nach unten und optimiert die Straßenlage signifikant.

Das Zusammenspiel mit dem Getriebe und dem 48-Volt-Mildhybrid-System (M Hybrid Boost) läuft im Alltag kultiviert ab. Der kleine E-Motor leistet 17 PS und sitzt direkt am Getriebe, um das berüchtigte Turboloch beim Anfahren zu überbrücken und den Übergang der Kraftübertragung extrem linear zu gestalten. Dank aufwendiger Dämmungsmaßnahmen – darunter deutlich dickere Akustikglasscheiben und zusätzliche Isolierschichten im Unterboden – bleibt es in der Kabine sehr leise. Bei konstant 130 km/h pegelt sich der Geräuschpegel bei hervorragenden 69 bis 70 dB ein, während bei High-Speed-Etappen um die 160 km/h humane 74 dB gemessen werden. Die Level-2-Assistenzsysteme inklusive Spurzentrierung und adaptivem Tempomaten arbeiten auf der Langstrecke zuverlässig und halten das Fahrzeug exakt in der Spur. Im simulierten Tempomatbetrieb jenseits der 160 km/h neigt das System bei starken Steigungen allerdings zu gelegentlich abrupten Brems- und Korrekturmanövern. Im urbanen Raum macht sich zudem das passive Ansprechverhalten des Diesels beim spontanen Zwischensprint mit einer minimalen Verzögerung bemerkbar. Der Wendekreis ist mit 11,7 Metern klassentypisch bemessen.

Platzangebot

Während die lang gestreckte Motorhaube dem Design schmeichelt, fordert sie im Innenraum bei der Raumökonomie kleine Kompromisse. Im Fond geht es für ein SUV von 4,75 Metern Länge überraschend intim zu. Zwar ist die Fuß- und Kopffreiheit dank des flachen Panorama-Schiebedachs selbst für Personen bis 1,80 Meter absolut ausreichend, doch die Beinfreiheit wird zum limitierenden Faktor. Sitzt vorne eine Person über 1,90 Meter, wird es für die hinteren Passagiere an den Knien spürbar eng. Zu dritt wird die Rückbank aufgrund des ausgeprägten Mitteltunnels ungemütlich, zu viert lässt es sich auf den äußeren Sitzen jedoch sehr komfortabel reisen. Die Fondgäste profitieren von einer dreistufigen Sitzheizung, eigenen Luftdüsen sowie zwei USB-C-Anschlüssen. Ein absolutes Highlight im Fond ist die vollwertige 230V-Steckdose (150 Watt), die das Laden von Laptops während der Fahrt ermöglicht.

Der Kofferraum zeigt sich von seiner extrem praktischen Seite und schluckt großzügige 570 Liter, die sich durch das Umklappen der Lehnen auf bis zu 1.726 Liter erweitern lassen. Dank des flexiblen 40:20:40-Splits lässt sich beispielsweise die Mitte separat für Skier umlegen. Die Lehnen können bequem per Hebel direkt vom Heck aus entriegelt werden. Unter dem Ladeboden befindet sich der Subwoofer des Bose-Soundsystems, an der Seite ist ein praktisches Gepäcknetz integriert. Ein echter Trumpf für Outdoor-Fans ist die über einen Knopf im Kofferraum semielektrisch ausklappbare Anhängerkupplung: Sie bietet eine exzellente Stützlast von 100 kg (perfekt für zwei schwere E-Bikes) und ermöglicht eine phänomenale maximale Anhängelast von bis zu 2.500 kg.

Abmessungen & Maße
Länge4.75 m
Breite1.89 (2.13) m
Höhe1.69 m
Radstand2.87 mm
Kofferraumvolumen570-1.726 l
Tankinhalt58 l
Frunk-- l
Dachlast100 kg
Anhängelast2.500 kg
Stützlast100 kg

Innenraum

Das Interieur des CX-60 in der Homura Plus-Variante versprüht ein echtes Premium-Ambiente, das sich vor der deutschen Konkurrenz nicht verstecken muss. Eine edle Kombination aus Nappaleder-Sitzen, weichem Veloursleder (Microfaser) an den Armaturen und stilvollen Holzdekorelementen schmeichelt den Händen. Unter den Holzleisten verbirgt sich eine dezente Ambientebeleuchtung, die nachts das gesamte Cockpit harmonisch illuminiert. Die vorderen Sitze sind elektrisch verstellbar, verfügen über Memory-Funktion, eine angenehme Sitzheizung sowie eine dreistufige Sitzbelüftung. Das perfekt runde, gelochte Lederlenkrad liegt hervorragend in der Hand und bietet echte, haptische Tasten.

Mazda verzichtet bewusst auf riesige Touchscreens. Das obere Infotainment-Display fungiert nur bei der Nutzung von kabellosem Apple CarPlay oder Android Auto als Touchscreen. Im fahrzeugeigenen System wird der Bildschirm traditionell und extrem sicher über den bewährten Multi-Commander (Dreh-Drück-Steller) in der Mittelkonsole bedient. Da der Monitor weit vorne platziert ist, lenkt dieses Bedienkonzept im Alltag kaum vom Fahrgeschehen ab. Direktwahltasten für Home, Navigation und Musik beschleunigen die Menüführung. Die Klimaanlage besitzt eine komplett physisch getrennte Kontrolleinheit mit griffigen Kippschaltern. Ein gestochen scharfes Head-up-Display spiegelt alle relevanten Daten in die Windschutzscheibe, während das digitale Cockpit im Sport-Modus sein Design in ein dynamisches Rot ändert. In der Mittelkonsole befinden sich eine induktive Ladefläche, ein mechanischer Gangwahlhebel sowie edel verkleidete Cupholder. Das Handschuhfach ist großzügig dimensioniert. Kritik gibt es im Detail für die fehlende Beleuchtung der Lenkradtasten bei Nacht sowie die schlechte Sicht durch das kleine Heckfenster, die beim Einparken jedoch durch eine gut auflösende 360-Grad-Kamera kompensiert wird.

Motorvarianten und Ladetechnik

Bei den Antriebsvarianten bricht Mazda mit allen Konventionen. Während der als Vierzylinder konzipierte 2,5-Liter-Plug-in-Hybrid (327 PS Systemleistung) im Test aufgrund einer geringen elektrischen Reichweite von nur 63 km und eines hohen Realverbrauchs bei leerem Akku (über 7,5 Liter) enttäuscht, brilliert der Diesel auf ganzer Linie. Zur Auswahl steht der 3,3-Liter-Reihensechszylinder-Diesel in zwei Leistungsstufen:

  • Basis-Diesel: 200 PS, reiner Heckantrieb und ein kombinierter WLTP-Verbrauch von lediglich 5,1 Litern.

  • Top-Diesel (Testwagen): 254 PS und 550 Nm Drehmoment, gekoppelt an das i-Activ All-Wheel Drive System.

Der komplett aus Aluminium gefertigte Sechszylinder-Block ist trotz seines Hubraums kaum schwerer als ein herkömmlicher Vierzylinder, was der Gewichtsverteilung zugutekommt. Das Triebwerk liefert sein volles Drehmoment auf einem breiten Plateau von 1.500 bis 2.400 U/min und sprintet in 7,4 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 219 km/h. Akustisch untermalt der Sechszylinder den Vortrieb mit einem tiefen, kraftvollen und überaus souveränen Klangbild.

Die Effizienz des Aggregats ist spektakulär: Im realen Autobahntest bei konstant 120 km/h konsumierte der Allrad-Diesel sensationell niedrige 5,1 Liter auf 100 km. Im reinen Stadtverkehr pendelt sich der Verbrauch dank Start-Stopp-Automatik und des effizienten Segelmodus (der Motor schaltet sich beim Rollen im Dorf komplett ab) bei 5,5 bis 6,0 Litern ein. Damit lassen sich die offiziellen WLTP-Herstellerangaben (5,4 Liter) im Alltag mühelos erreichen oder sogar unterbieten. In Kombination mit dem großen 58-Liter-Kraftstofftank (der PHEV bietet nur 50 Liter) ermöglicht der CX-60 eine phänomenale Real-Reichweite von über 1.100 Kilometern pro Tankfüllung. Ein separater AdBlue-Tank ist ebenfalls an Bord.

Preise & Antrieb
Startpreis50.950 €
Preis des Testwagens68.800 €
Motor3.3L Skyactiv D 254 PS AWD
Leistung254 PS 550Nm
Getriebe 8-Stufen-Automatikgetriebe
Antrieb Allrad

Fazit

Der Mazda CX-60 3.3 e-Skyactiv D erweist sich im Test als charakterstarker und hochgradig effizienter Langstrecken-Liner. In einer Zeit der automobilen Gleichschaltung setzt Mazda mit dem seidenweich laufenden Reihensechszylinder ein dickes Ausrufezeichen. Das SUV glänzt mit einem phänomenalen Realverbrauch von rund 5 Litern, einer grandiosen Reichweite von über 1.100 Kilometern und einer enormen Anhängelast von 2,5 Tonnen. Die edle Materialauswahl und das extrem sichere Bedienkonzept über den Dreh-Drück-Steller überzeugen im Alltag vollends.

Im Konkurrenzumfeld steht der Japaner hervorragend da: Deutsche Premium-Mitstreiter wie der BMW X3 (ab 62.800 €), der Mercedes GLC 220d (ab 63.370 €) oder der Audi Q5 tdi (ab 58.900 €) bieten für deutlich mehr Geld in ihren Einstiegsvarianten lediglich sterile Vierzylindermotoren. Wer einen echten Sechszylinder bei Audi oder BMW sucht, muss die 68.000-Euro-Marke nackt überschreiten. Wer über das etwas knappe Platzangebot im Fond hinwegsehen kann, erhält mit dem CX-60 ein luxuriöses, unkompliziertes und extrem wirtschaftliches Zug- und Langstreckenfahrzeug mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis und einer soliden 6-Jahres-Garantie.

Der Autor

Autos begleiten mich nicht nur – sie prägen mich. Schon früh hat sich bei mir eine tiefe Begeisterung für alles entwickelt, was vier Räder hat. Diese Leidenschaft geht weit über den Alltag hinaus: Motorsport ist ein fester Bestandteil meines Lebens, genauso wie die Faszination für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte – vom kompromisslosen Sportwagen bis hin zum durchdachten Alltagsauto.

Über die Jahre habe ich mir durch zahlreiche Testberichte und praktische Erfahrungen ein fundiertes Verständnis für Fahrzeuge erarbeitet. Ich durfte viele Autos nicht nur kurz bewegen, sondern sie wirklich kennenlernen – auf der Straße, im Alltag und in unterschiedlichsten Situationen. Genau dieser Erfahrungsschatz fließt in meine Inhalte ein.

Danke, dass Ihr meine Leidenschaft teilt und Euch die Zeit nehmt, meine Inhalte zu verfolgen.

Mail: Kontakt@nonstopdriving.eu