Mit dem Leapmotor B05 bringt die chinesische Marke eine hocheffiziente Elektro-Fließheck-Limousine auf den europäischen Markt, die das Budget-Segment neu definieren soll. Ein entscheidender Trumpf im Ärmel von Leapmotor ist die enge Vertriebspartnerschaft mit dem Autogiganten Stellantis. Für Endkunden bedeutet dies die maximale Sicherheit eines etablierten Händlernetzes: Von der Probefahrt über die Abwicklung von Garantieansprüchen bis hin zur Ersatzteilversorgung und Wartung läuft alles über die vertrauten Stellantis-Strukturen – ein massiver Vorteil gegenüber anderen chinesischen Start-ups.
Preislich positioniert sich der B05 als echter Angreifer. Der Startpreis für die Basislinie Pro-Life liegt bei 27.900 €. Die von uns getestete Top-Version Pro Max schlägt mit 31.900 € zu Buche. Mit einer Länge von 4,43 Metern, einer Breite von 1,88 Metern und einer Höhe von 1,52 Metern präsentiert sich der B05 kompakt und extrem windschnittig. Ein herausragender CW-Wert von 0,26 und aktive Luftklappen im unteren Stoßfänger optimieren die Aerodynamik im Alltag. Trotz der kompakten Abmessungen spendiert Leapmotor dem Fahrzeug einen beachtlichen Radstand von 2,73 Metern.
Optisch zieht das Fahrzeug mit einem durchgehenden LED-Lichtband an der Front die Blicke auf sich. Eine echte Überraschung in diesem Preissegment sind die rahmenlosen Fensterscheiben, die dem B05 eine edle Coupé-Silhouette verleihen. Serienmäßig rollt die Pro Max-Variante auf 19-Zoll-Felgen, die mit einer echten Besonderheit aufwarten: einer sportlichen Mischbereifung (vorne 225er, hinten 235er Breite). Dieses Setup sorgt für maximalen mechanischen Grip an der Antriebsachse. Zur Anhängelast gibt es aktuell noch keine finalen Daten, da solche Werte auf dem chinesischen Heimatmarkt eine untergeordnete Rolle spielen und von der Zentrale erst verzögert nachgereicht werden.
Fahreindruck
Auf der Straße überrascht der Leapmotor B05 mit einem ausgesprochen hecklastigen und spielfreudigen Charakter. Der Elektromotor sitzt an der Hinterachse, leistet 218 PS und liefert ein sofortiges Drehmoment von 240 Nm. Damit sprintet der Wagen in sportlichen 6,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, wobei eine integrierte Launch Control maximale Beschleunigungsmanöver aus dem Stand erlaubt. Bei einer elektronisch begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h (laut Tacho ca. 175 km/h) ist der Vortrieb beendet. Da die Vorderachse komplett frei von Antriebseinflüssen bleibt, lenkt der B05 präzise und direkt ein.
Über den zentralen Touchscreen lassen sich sowohl das Lenkgefühl als auch die Kennlinie des Fahrwerks spürbar zwischen einer sehr leichtgängigen Komfort-Abstimmung und einem direkten Sport-Modus variieren. Bei sportlicher Gangart in engen Kehren spürt man das Heck sanft nachdrängen, was ambitionierten Fahrern viel Fahrspaß vermittelt. Das Fahrwerk filtert grobe Stöße solide, neigt jedoch bei aufeinanderfolgenden Wellen zu spürbaren vertikalen Bewegungen in der Karosserie.
Die Bremsanlage lässt sich ebenfalls im Ansprechverhalten konfigurieren und packt im Sport-Modus sehr bissig und früh zu. Dank der exzellenten Dichtungen an den rahmenlosen Fenstern bleibt es im Innenraum angenehm ruhig: Bei Richtgeschwindigkeit 130 km/h pegelt sich der Geräuschpegel auf nasser Fahrbahn bei 73 bis 76 dB ein – bei trockenen Bedingungen sind sogar 73 dB realisierbar. Die 21 integrierten Assistenzsysteme (Level 2) überzeugen auf ganzer Linie und führen die Spurzentrierung sowie die Abstandsregelung bis 150 km/h fehlerfrei aus. Auch eine enge 40-km/h-Kurve am Autobahnkreuz meisterte das System ohne Korrekturbedarf. Einzig der gesetzliche EU-Geschwindigkeitswarner nervt im Alltag, lässt sich jedoch erfreulicherweise über das Shortcut-Menü auf dem Bildschirm dauerhaft für die Fahrt stummschalten.
Platzangebot
Der extrem lange Radstand von 2,73 Metern kommt voll und ganz den Passagieren im Fond zugute. Mit einer Kniefreiheit von rund 15 Zentimetern bietet der B05 im Innenraum ein fürstliches Raumgefühl für eine Limousine dieser Größenordnung. Auch die Kopffreiheit unter dem großen Panorama-Glasdach der Pro Max-Linie ist dank seitlicher Aussparungen im grauen Dachhimmel selbst für Erwachsene bis 1,85 Meter absolut ausreichend. Bedingt durch das Akku-Paket im Fahrzeugboden fällt der Boden jedoch relativ hoch aus, wodurch die Oberschenkel im Fond nicht ganz flach auf den Stoffsitzen aufliegen. Ein kleiner Tunnel in der Mitte stört kaum und ermöglicht auch eine Nutzung des mittleren Sitzplatzes. In der klappbaren Mittelarmlehne befinden sich zwei Cupholder. An der Rückseite der Vordersitze sind praktische Taschen integriert, zudem stehen den Fondgästen zwei separate Luftdüsen sowie je eine USB-A- und USB-C-Buchse zur Verfügung.
Die radikale Priorisierung des Passagierraums fordert jedoch beim Kofferraum ihren Tribut. Mit einem Volumen von gerade einmal 295 Litern im Standardzustand ist das Gepäckabteil sehr klein geraten – ein VW ID.3 bietet hier fast 100 Liter mehr Stauvolumen. Da das Fahrzeug keinen Frunk besitzt, muss auch das Ladekabel dauerhaft im Heck transportiert werden. Unter dem Ladeboden bleibt lediglich Platz für das Reifenpannenset. Die Kofferraumöffnung wird manuell über einen Taster an der Heckklappe entriegelt, ist dank guter Dämpfer aber leichtgängig. Klappt man die im 60:40-Split geteilte Rückbank um, wächst das maximale Volumen auf bis zu 1.225 Liter, wobei der integrierte Stofflappen die Stufe elegant ausgleicht und eine ebene Ladefläche bis zu den Vordersitzen freigibt. Ein massiver Schwachpunkt des Fahrzeugkonzepts ist die geringe maximale Zuladung von nur 320 bis 340 kg (je nach Ausstattung). Reisen vier erwachsene Personen mit einem Durchschnittsgewicht von 90 kg im Auto, ist das zulässige Gesamtgewicht bereits vor dem Einladen des Gepäcks überschritten.








| Länge | 4.43 m |
| Breite | 1.88 m |
| Höhe | 1.52 m |
| Radstand | 2.735 mm |
| Kofferraumvolumen | 295-1.205 l |
| Batterie | 56,2-67,1 kWh |
| Frunk | -- l |
| Dachlast | -- kg |
| Anhängelast | -- kg |
| Stützlast | -- kg |
Innenraum
Das Interieur des Leapmotor B05 präsentiert sich hochmodern, digitalisiert und stark vom minimalistischen Design eines Tesla Model 3 inspiriert. Nahezu alle Fahrzeugfunktionen werden über den zentralen, 14,6 Zoll großen Touchscreen gesteuert. Das Infotainment-System reagiert blitzschnell und flüssig. Die Software integriert kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie native Apps wie Spotify und TikTok. Über ein praktisches Shortcut-Menü (Wischen von oben nach unten) lassen sich wichtige Funktionen wie die Lenkradheizung oder die (etwas laut surrende) Sitzbelüftung mit einem Fingertipp ansteuern. Sogar eine manuelle Batterievorkonditionierung für den Winter lässt sich hier aktivieren. Die Klimadüsen selbst werden erfreulicherweise noch mechanisch per Hand und nicht digital verstellt.
Hinter dem Lenkrad versorgt ein kompaktes, gut ablesbares 8,8-Anzeigeinstrument den Fahrer mit den wichtigsten Fahrdaten. Die Materialauswahl überzeugt: Das Armaturenbrett ist mit weichem Biokunstleder bezogen, und an den Türen finden sich Dekorelemente aus schwarzem Aluminium. Erst im nicht sichtbaren, unteren Bereich dominiert einfaches Hartplastik. In der Mittelkonsole bietet der B05 clevere, einklappbare Becherhalter, eine kabellose Smartphone-Ladestation sowie massig Staufläche im unteren Fach. Ein absolutes Novum im Automobilbau versteckt sich in der Mittelkonsole: Ein robuster, mechanischer Sicherheitshebel ermöglicht es den Insassen, im Notfall die Fensterscheiben manuell zu zerstören, um das Fahrzeug zu verlassen. Als unpraktisch erweist sich im Alltag die Fahrzeugaktivierung: Die Keycard muss vor jedem Start präzise auf einem definierten Spot in der Mittelkonsole abgelegt werden, um die Fahrbereitschaft herzustellen.
Motorvarianten und Ladetechnik
Leapmotor stattet den B05 in beiden Ausstattungslinien mit dem identischen Heckantrieb (218 PS, 240 Nm) aus. Die Varianten unterscheiden sich ausschließlich über die Kapazität der verbauten Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP):
Standard Range (Basis): 56,2 kWh Kapazität für eine WLTP-Reichweite von bis zu 401 km. An der DC-Schnellladesäule lädt diese Version mit maximal 140 kW.
Long Range (Pro Max): 67,1 kWh Kapazität für eine WLTP-Reichweite von bis zu 482 km. Die maximale DC-Ladeleistung steigt hier auf 168 kW.
Dank der robusten LFP-Zellchemie glänzt der Akku mit extremer Langlebigkeit und kann im Alltag bedenkenlos und ohne Degradationsrisiko täglich auf 100 % aufgeladen werden. Zudem ist serienmäßig eine effiziente Wärmepumpe an Bord, die die Reichweite im Winter schützt. Unabhängig von der Batteriegröße gibt der Hersteller für den Ladehub von 30 auf 80 % eine Zeit von 17 Minuten an. In der Praxis (von 10 auf 80 %) sollte ein vollständiger Ladevorgang in rund 25 Minuten erledigt sein.
Der kombinierte WLTP-Verbrauch ist mit sehr sparsamen 15,8 kWh/100 km beziffert. In unserem harten Autobahn-Test mit hohem Vollgasanteil kletterte der Konsum erwartungsgemäß auf rund 25 kWh – im normalen Pendleralltag sind jedoch Reichweiten nahe der 350-Kilometer-Marke realistisch. Das Laden mit Wechselstrom (AC) erfolgt dreiphasig mit 11 kW, was eine vollständige Ladung in etwa 8 Stunden ermöglicht. Eine manuelle Routenplanung inklusive Ladestopps ist im Navigationssystem integriert, berechnet die Stopps jedoch nicht vollautomatisch im Voraus.
| Startpreis | 27,900 € |
| Preis des Testwagens | 31,900 € |
| Motor | Synchron-Elektromotor |
| Leistung | 160 kW / 218 PS 240Nm | Getriebe | 1 Gänge, Automatikgetriebe |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
Fazit
Der Leapmotor B05 Pro Max erweist sich im Test als eine der am besten kalkulierten Überraschungen auf dem Elektromarkt. Für einen Preis von unter 32.000 € bietet die Fließheck-Limousine ein unschlagbares Paket aus modernster Software, feinen Fahrleistungen und einer exzellenten Sicherheitsarchitektur inklusive Level-2-Assistenz. Dank der Rückendeckung durch den Stellantis-Konzern ist das Fahrzeug zudem vollkommen alltagstauglich und frei von den typischen Servicerisiken junger Importmarken. Wer mit dem bauartbedingt sehr kleinen Kofferraum von 295 Litern und der knappen Zuladung von rund 330 kg im Alltag zurechtkommt, erhält hier ein extrem stylisches, hocheffizientes und verlässliches Elektroauto, das der etablierten europäischen Konkurrenz preislich wie technisch das Leben schwer machen wird.
Der Autor
Autos begleiten mich nicht nur – sie prägen mich. Schon früh hat sich bei mir eine tiefe Begeisterung für alles entwickelt, was vier Räder hat. Diese Leidenschaft geht weit über den Alltag hinaus: Motorsport ist ein fester Bestandteil meines Lebens, genauso wie die Faszination für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte – vom kompromisslosen Sportwagen bis hin zum durchdachten Alltagsauto.
Über die Jahre habe ich mir durch zahlreiche Testberichte und praktische Erfahrungen ein fundiertes Verständnis für Fahrzeuge erarbeitet. Ich durfte viele Autos nicht nur kurz bewegen, sondern sie wirklich kennenlernen – auf der Straße, im Alltag und in unterschiedlichsten Situationen. Genau dieser Erfahrungsschatz fließt in meine Inhalte ein.
Danke, dass Ihr meine Leidenschaft teilt und Euch die Zeit nehmt, meine Inhalte zu verfolgen.
Mail: Kontakt@nonstopdriving.eu
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