Der Fiat 500 Hybrid ist mehr als nur ein Fortbewegungsmittel – er ist ein automobiles Kulturgut. Seit der Ur-Cinquecento 1957 erstmals in Turin vom Band lief, prägt der kleine Italiener das Straßenbild europäischer Metropolen. Auch die aktuelle Generation wird weiterhin in Turin gefertigt und zollt ihrer Heimatstadt mit liebevollen „Hidden Features“ im Innenraum Tribut. Optisch präsentiert sich der Stadtflitzer extrem knuffig und stylisch zugleich. Wer den Fiat 500 als Verbrenner fahren möchte, hat heute nur noch eine Wahl: die Mild-Hybrid-Variante. Ergänzend steht das Modell voll elektrisch beim Händler, worauf wir später noch eingehen werden.
Preislich startet der Fiat 500 Hybrid als Cabrio bei einem Einstiegspreis von 22.099 € (bzw. knapp 22.990 € je nach Ausstattungsaktion). Neben dem Cabriolet steht der Italiener auch als klassische Dreitürer-Limousine sowie als pfiffige „3+1“-Variante zur Auswahl. Letztere verfügt auf der Beifahrerseite über eine zusätzliche, schmale, gegenläufig öffnende Tür, die den Zustieg zum Fond spürbar erleichtert. Unser voll ausgestatteter Testwagen in der mittleren Ausstattungslinie Icon (neben der Basis Pop und der Topversion La Prima) – aufgewertet durch das Komfort- und Style-Paket sowie die strahlende Sonderlackierung „Sun of Italy“ (700 € Aufpreis) – klettert auf einen Gesamtpreis von 28.690 €.
In den Abmessungen ist der Fiat 500 in der aktuellen Generation auf Basis der neuen Elektro-Plattform in alle Richtungen um jeweils etwa fünf Zentimeter gewachsen. Mit einer Länge von 3,63 Metern, einer Höhe von 1,53 Metern und einer Breite von 1,68 Metern (1,88 Meter inklusive ausgeklappter Außenspiegel) bei einem Radstand von 2,32 Metern bleibt der Wagen jedoch das urbane Parkwunder schlechthin. Das Design überzeugt mit markanten Zügen: Die zweigeteilten LED-Scheinwerfer erinnern humorvoll an prägnante Augenbrauen, während verchromte Fensterleisten und optionale 17-Zoll-Leichtmetallräder (serienmäßig sind 16 Zoll bei Icon) das Cabrio stilvoll abrunden.
Fahreindruck und Fahrleistungen
Auf der Straße zeigt der Fiat 500 Hybrid zwei sehr unterschiedliche Gesichter. Einerseits sorgt das Fahrwerk im urbanen Dschungel für ein extrem wendiges, fast Gokart-ähnliches Handling. Die kompakten Abmessungen und das geringe Leergewicht von lediglich 1.066 kg machen das Wuseln durch enge Altstadtgassen und das Einparken in kleinste Lücken zu einem absoluten Vergnügen.
Andererseits offenbart der Blick unter die Motorhaube, die erfreulicherweise über echte Gasdruckdämpfer verfügt, die größte Schwachstelle des Fahrzeugs. Der verbaute 1,0-Liter-FireFly-Dreizylinder-Saugmotor leistet in Verbindung mit einem 12-Volt-Mildhybridsystem magere 65 PS und ein überschaubares Drehmoment von 92 Nm. Damit verliert der Wagen spürbar an Dynamik-Punkten
Der Sprint von 0 auf 100 km/h zieht sich auf zähe 16,2 Sekunden. Besonders an leichten Steigungen oder auf der Autobahn (beispielsweise auf den Kassetten-Ebenen Richtung Kassel) quält sich das Triebwerk spürbar. Um im Verkehr mitzuschwimmen, muss das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe intensiv gefordert werden. Die Gänge sind extrem kurz übersetzt. Auf der Autobahn pendelte sich der Praxisverbrauch bei rund 6,2 Litern ein. Im reinen Stadtverkehr schrumpft der Durst jedoch auf passable 5,9 Liter (WLTP kombiniert: 5,2 bis 5,3 Liter). Mit dem 37-Liter-Kraftstofftank sind im gemischten Betrieb Realreichweiten von knapp 650 bis 700 Kilometern realistisch.
Für spontane Überholmanöver fehlt dem Sauger die Puste, was vor Kreuzungen oder beim Einfädeln etwas Vorausschau verlangt. Das 12-Volt-Mildhybridsystem unterstützt den Verbrenner beim Anfahren und ermöglicht unterhalb von 30 km/h beim Auskuppeln ein intelligentes Segeln mit ausgeschaltetem Motor. Das Bremsverhalten ist trotz der Kombination aus Scheibenbremsen vorne und einfachen Trommelbremsen hinten völlig unkritisch.
Platzangebot, Kofferraum und Cabrio-Variabilität
Bei einem Fahrzeug von 3,63 Metern Länge sind beim Raumangebot naturgemäß Kompromisse einzugehen. Auf den vorderen Plätzen reisen Fahrer und Beifahrer überraschend luftig, was nicht zuletzt an den weit öffnenden Türen mit versenkten Türgriffen liegt. Einzig die Sitzposition fällt typisch italienisch eher hoch aus. Im Fond hingegen wird es für Erwachsene extrem eng: Die Kniefreiheit ist stark eingeschränkt und auch die Kopffreiheit stößt bei Personen über 1,75 Meter Körpergröße schnell an ihre Grenzen. Der Fond eignet sich primär für kurze Notfallstrecken oder als zusätzliche Ablage.
Das Kofferraumvolumen fasst im Normalzustand überschaubare 183 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rücksitzlehne auf bis zu 440 Liter erweitern. Aufgrund der Cabrio-Konstruktion entsteht dabei jedoch eine deutliche Stufe im Ladeboden. Die Bedienung des Verdecks bringt eine Besonderheit mit sich: Wird das Stoffdach komplett nach hinten gefahren, ist der Kofferraumdeckel versperrt. Drückt man die Taste am Heckdeckel, fährt das Verdeck automatisch ein Stück nach oben, um den Zugang freizugeben. Ein Reifenreparaturset befindet sich in einer kleinen Tasche im Ladeabteil.







| Länge | 3.63 m |
| Breite | 1.68 m |
| Höhe | 1.53 m |
| Radstand | 2.32 mm |
| Ladevolumen | 183 - 440 l |
| Tankinhalt | 37 l |
| Frunk | -- l |
| Dachlast | -- kg |
| Anhängelast | -- kg |
| Stützlast | -- kg |
Innenraum, Infotainment und Ergonomie
Das Interieur des Fiat 500 Hybrid strahlt echtes Dolce-Vita-Flair aus. Das Armaturenbrett ist großflächig in Wagenfarbe („Sun of Italy“) lackiert und bildet einen gelungenen Kontrast zu den analogen und digitalen Instrumenten. Hinter dem stylischen Zweispeichen-Multifunktionslederlenkrad blickt der Fahrer auf ein rundes digitales Kombiinstrument, das fahrrelevante Daten, den Ladezustand des Hybridsystems und Tripananalysen übersichtlich darstellt.
Ein zentraler Touchscreen bietet eine flüssige Einbindung von kabellosem Apple CarPlay und Android Auto. Auf eine werkseigene Navigation verzichtet das System, was angesichts der Smartphone-Spiegelung jedoch verschmerzbar ist. Die Ein-Zonen-Klimaautomatik wird über eine physisch getrennte Schalterleiste unterhalb des Bildschirms bedient. Ein charmantes Ergonomie-Detail ist der hoch platziere Schaltknauf der Sechsgang-Schaltung, der extrem gut in der Hand liegt. Ein weiteres Highlight im Innenraum: In der Gummimatte der Seitentür ist die Silhouette des Ur-500 mit der Aufschrift „Made in Torino“ eingeprägt.
Die Materialauswahl besteht im Wesentlichen aus Hartplastik, was in dieser Klasse jedoch üblich ist. Elektrische Türöffner per Knopfdruck (ergänzt durch eine mechanische Notentriegelung im Fußraum) unterstreichen den modernen Anspruch. Die vorderen Sitze verfügen im Komfort-Paket über eine zweistufige Sitzheizung. Ein Toter-Winkel-Warner ist nicht verfügbar, die Rückfahrkamera samt dynamischen Führungslinien erleichtert das Rangieren bei geschlossenem Verdeck jedoch ungemein. Der Geschwindigkeitsregler (Cruise Control) arbeitet passiv und ohne Abstandsradar.
Fazit und Konkurrenzvergleich
Der Fiat 500 Hybrid ist eine rationale Entscheidung des Herzens. Wer ein stilvolles, charmantes und extrem wendiges Stadtcabrio mit echtem Urlaubs-Feeling sucht, wird den Italiener lieben. Die Kombination aus der farbenfrohen Optik, dem elektrischen Stoffverdeck und der einfachen Smartphone-Anbindung überzeugt im Alltag. Einzig der träge 65-PS-Saugmotor erfordert bei Überlandfahrten viel Geduld.
Im direkten Konkurrenzumfeld steht das Fiat 500 Cabrio fast konkurrenzlos da, da viele Mitbewerber (wie der Renault Twingo oder VW Up!) aus dem Segment zurückgezogen wurden. Ein Mini Cooper Cabrio bietet mit mindestens 163 PS zwar weitaus sportlichere Fahrleistungen, ist mit einem Startpreis von über 32.000 € jedoch in einer spürbar höheren Preisliga angesiedelt. Auch der voll elektrische Bruder Fiat 500e (ab 24.990 € als Limousine) bietet mit spritzigerem E-Antrieb eine Alternative, leidet jedoch unter einer überschaubaren Reichweite von rund 190 km.
| Startpreis | 22.990 (Cabrio) € |
| Preis des Testwagens | 27.190 € |
| Motor | FireFly 1.0 Hybrid 12V |
| Leistung | 65 PS 92Nm | Getriebe | Manuelles 6‑Gang-Schaltgetriebe (MT6) |
| Antrieb | Frontantrieb |


