Wenn man an Elektroautos denkt, denkt man unweigerlich an Tesla. Das Tesla Model 3 Premium Long Range wird oft als eines der am einfachsten zu fahrenden Autos angepriesen, doch beim ersten Einsteigen merkt man schnell: Tesla baut das Auto radikal um die Software herum. Preislich startet das Model 3 bereits bei attraktiven 36.990 €. Für die von uns getestete Premium Long Range Variante mit der großen Batterie, 320 PS und Heckantrieb werden mindestens 44.990 € fällig. Mit maximaler Ausstattung und der Sonderlackierung „Quick Silver“ (Aufpreis 2.000 €) klettert der Preis unseres Testwagens auf insgesamt 55.470 €. Mit einer Länge von 4,72 Metern, einer Breite von 1,85 Metern und einer Höhe von 1,44 Metern ist das Model 3 eine klassische, extrem windschnittige Mittelklasse-Limousine. Der CW-Wert liegt bei hervorragenden 0,22, unterstützt durch moderne Matrix-LED-Scheinwerfern. Eine Besonderheit bei Tesla: Es gibt keinerlei klassische Ultraschall-Abstandssensoren – das gesamte Fahrzeug navigiert und überwacht seine Umgebung ausschließlich über ein ausgeklügeltes Kamerasystem („Tesla Vision“). Das Smartphone dient hierbei als digitaler Schlüssel, über den sich auch kuriose Features wie anpassbare Abschließ- und Hupgeräusche (vom Applaus bis zum Furzkissen-Sound) steuern lassen.
Fahreindruck
Auf der Straße zeigt sich das Model 3 mit seinen 320 PS und 450 Nm Drehmoment extrem spritzig. In nur 5,2 Sekunden sprintet die Limousine von 0 auf 100 km/h, wobei die Beschleunigung linear und kraftvoll einsetzt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei elektronisch abgeregelten 201 km/h, die der Wagen mühelos erreicht. Das Fahrwerk ist typisch Tesla etwas straffer abgestimmt, filtert Unebenheiten aber dennoch langstreckentauglich heraus. Die Sitze könnten in schnellen Kurven allerdings etwas mehr Seitenhalt bieten, da die Seitenwangen recht flach ausfallen. Bei Tempo 130 liegt der Geräuschpegel im Innenraum bei soliden 70 dB, was trotz windiger Testbedingungen ein angenehmes Reisen ermöglicht. Die Assistenzsysteme („Autopilot“) reagieren präzise und bremsen im urbanen Raum sogar zuverlässig an Stoppschildern und Ampeln. Allerdings harmoniert das kamerabasierte System nicht immer zu 100 % mit deutschen Verkehrsschildern, da Ortseingänge oder Lkw-Zusatzzeichen gelegentlich übersehen werden. Gewöhnungsbedürftig ist zudem, dass die Rekuperation permanent stark eingestellt ist („One-Pedal-Driving“) und sich nicht manuell verändern lässt. Der Wendekreis ist mit 11,7 Metern für die Stadt zudem recht groß geraten.
Platzangebot
Der Radstand von 2,87 Metern sorgt für ein großzügiges Raumgefühl im Interieur. Im Fond genießen Passagiere bis zu einer Körpergröße von 1,80 Metern ausreichend Beinfreiheit, wenngleich die Beine aufgrund der Batterie im Unterboden etwas steil angewinkelt sind. Das durchgehende Glasdach sorgt für ein luftiges Ambiente, schränkt die Kopffreiheit ab 1,80 Meter jedoch minimal ein. Der hintere Kofferraum fasst 594 Liter und bietet ein riesiges Unterbodenfach, in dem problemlos massig Gepäck oder Ladekabel verschwinden. Aufgrund der Stufenheck-Bauweise ist die Ladeöffnung jedoch bauartbedingt recht klein. Klappt man die Rückbank (60:40 Split) um, erweitert sich das Volumen auf bis zu 977 Liter bei einer vollkommen ebenen Ladefläche, allerdings fehlt eine Durchlademöglichkeit für Skier. Ein riesiger Pluspunkt in Sachen Platzangebot ist der 88 Liter große Frunk unter der Motorhaube. Wer möchte, erhält eine Anhängerkupplung mit stattlichen 100 kg Stützlast – perfekt für schwere E-Bike-Träger – und einer Anhängelast von 1.000 kg.





Innenraum
Das Interieur des Model 3 präsentiert sich radikal minimalistisch. Entgegen früherer Kritik glänzt das aktuelle Modell mit einer hervorragenden Materialqualität: Überall finden sich geschäumte Oberflächen, weicher Stoff, Alcantara-Akzente und eine umlaufende Ambientebeleuchtung. Sogar die Flaschenhalter in den Türen sind weich ausgekleidet, und man sucht vergeblich nach billigem Klavierlack. Allerdings verzichtet Tesla komplett auf ein digitales Cockpit hinter dem Lenkrad oder ein Head-up-Display. Alles läuft über den gestochen scharfen und extrem flüssigen Zentralbildschirm. Sogar die Gänge (D und R) werden per Wischgeste auf dem Display eingelegt. Auch klassische Lenkstockhebel fehlen; geblinkt wird über Tasten am spürbar kompakt gestalteten Lenkrad. Apple CarPlay oder Android Auto gibt es nicht, die integrierte Google-Maps-Navigation samt intelligenter Ladeplanung arbeitet jedoch perfekt. Ein absolutes Highlight für Familien befindet sich im Fond: Ein separates Entertainment-Display ermöglicht es den hinteren Passagieren, unabhängig via YouTube, Netflix oder Twitch Filme zu schauen. Dank Bluetooth-Kopplung für separate Kopfhörer können die Kinder hinten streamen, während vorne ungestört Musik gehört wird.
Motorvarianten und Ladetechnik
Tesla setzt beim Model 3 voll auf hocheffiziente Elektroantriebe. Neben der Basisversion mit Heckantrieb gibt es die von uns getestete Premium Long Range Variante (320 PS) sowie Allradversionen mit noch mehr Leistung. Die absolute Glanzdisziplin des Long Range sind Effizienz und Gewicht. Mit der 82 kWh großen Batterie wiegt die Limousine gerade einmal 1.747 kg – ein Fabelwert für ein Elektroauto dieser Größe, der auch im Euro-NCAP-Crashtest mit 5 Sternen glänzt. Der Hersteller gibt einen kombinierten Verbrauch von nur 13,6 kWh/100 km und eine maximale Reichweite von bis zu 750 km an (mit den aerodynamischen 18-Zoll-Felgen). Im realen Autobahn-Test bei konstant 140 km/h genehmigte sich das Model 3 beachtliche, aber sehr effiziente 18,4 kWh/100 km, was eine echte Langstreckenreichweite von rund 430 km ermöglicht. Am Tesla Supercharger zieht der Long Range in der Spitze mit bis zu 250 kW. Der Ladevorgang von 5 % auf 78 % dauerte im Test 34 Minuten (Werksangabe: 10 bis 80 % in 28 Nuancen). Zudem gibt Tesla 8 Jahre (oder 160.000 km) Garantie auf Batterie und Antrieb sowie 4 Jahre (80.000 km) auf das restliche Fahrzeug – feste Wartungsintervalle entfallen komplett.
Fazit
Das Tesla Model 3 Premium Long Range bleibt in Sachen Effizienz, Software-Performance und Lade-Infrastruktur (Supercharger-Netzwerk) der absolute Maßstab in seiner Klasse. Es bietet Premium-Materialien und innovative Features, verlangt dem Fahrer durch den radikalen Verzicht auf Knöpfe jedoch eine hohe Lernbereitschaft ab. Die Konkurrenz schläft allerdings nicht: Während ein Mercedes CLA (vergleichbar ca. 55.000 €), ein Hyundai Ioniq 6 (ab 55.300 €) oder ein VW ID7 (ca. 60.000 €) preislich auf Augenhöhe oder teurer sind, drückt der chinesische BYD Seal mit massiven Rabatten den Preis vergleichbar ausgestattet auf sensationelle 35.590 €. Wer jedoch das technologisch ausgereifteste und effizienteste Gesamtpaket sucht, kommt am Model 3 kaum vorbei.
Der Autor
Autos begleiten mich nicht nur – sie prägen mich. Schon früh hat sich bei mir eine tiefe Begeisterung für alles entwickelt, was vier Räder hat. Diese Leidenschaft geht weit über den Alltag hinaus: Motorsport ist ein fester Bestandteil meines Lebens, genauso wie die Faszination für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte – vom kompromisslosen Sportwagen bis hin zum durchdachten Alltagsauto.
Über die Jahre habe ich mir durch zahlreiche Testberichte und praktische Erfahrungen ein fundiertes Verständnis für Fahrzeuge erarbeitet. Ich durfte viele Autos nicht nur kurz bewegen, sondern sie wirklich kennenlernen – auf der Straße, im Alltag und in unterschiedlichsten Situationen. Genau dieser Erfahrungsschatz fließt in meine Inhalte ein.
Danke, dass Ihr meine Leidenschaft teilt und Euch die Zeit nehmt, meine Inhalte zu verfolgen.
Mail: Kontakt@nonstopdriving.eu
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