Mit dem neuen DS N7 (offiziell „DS Nummer 7“) bringt die französische Premiummarke den mit Spannung erwarteten Nachfolger des absoluten DS-Erfolgsmodells auf den Markt. Da der Vorgänger für 72 % aller DS-Verkäufe in Deutschland und global für die Hälfte des Absatzes verantwortlich war, ist dieses Modell für die Marke von existenzieller Bedeutung. Der Einstieg in die französische Komfortwelt beginnt bei einem Startpreis von 47.700 €. Die Modellpalette gliedert sich in die drei regulären Ausstattungslinien Pallas, Étoile und das exklusive, auf rund ein halbes Jahr limitierte Topmodell La Première, das wir im Test begrüßen durften.
In den Abmessungen ist das SUV im Vergleich zum Vorgänger spürbar gewachsen: Mit einer Länge von 4,66 Metern (+7 cm), einer Breite von 1,90 Metern und einer Höhe von 1,63 Metern steht der DS N7 stattlich im C-Segment. Dank eines Radstands von 2,79 Metern (+5 cm) bietet er hervorragende Proportionen. Das Design ist gewagt, kantig und setzt voll auf optische Highlights wie das beleuchtete DS-Logo, einen illuminierten Kühlergrill und das markante „DS Lightblade“-Tagfahrlicht, das wie ein spitzer Zahn an der Front hinabreicht. Eine aktive Aerodynamik im unteren Bereich kühlt bei Bedarf die Batterie und schließt sich sonst für einen optimalen Luftfluss, was zu einem hervorragenden CW-Wert von 0,26 beiträgt. Ein produktionstechnisches Highlight ist die aufwendige Zweifarben-Laserlackierung, die eine extrem präzise und cleane Kante auf ein und demselben Bauteil ermöglicht. Zudem besteht das auf der STLA Medium-Plattform basierende Fahrzeug zu 89 % aus europäischen Teilen (Batterie aus Nordfrankreich, Produktion in Melfi, Italien).
Fahreindruck
Obwohl wir den DS N7 in diesem ersten Kennenlernen noch nicht auf der Straße im Detail dynamisch bewegen konnten, vermitteln die technischen Daten und die Systeme vor Ort bereits einen klaren Eindruck. Die von uns getestete Long-Range-Variante sprintet mit ihren 245 PS (bzw. bis zu 280 PS Peak bei über 90 % Akkustand) und 343 Nm Drehmoment in 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 190 km/h elektronisch abgeriegelt. Für den alltäglichen Komfort stehen die drei Fahrmodi Echo, Normal und Sport bereit.
Ein echtes Highlight in dieser Fahrzeugklasse ist das optionale Night-Vision-System (Nachtsichtkamera), das Fußgänger oder Tiere bei schlechter Sicht direkt im digitalen Cockpit farblich hervorhebt. Für exzellente Sicht sorgen zudem die „DS Pixel Vision“ Matrix-LED-Scheinwerfer, die den Gegenverkehr präzise ausblenden. Die Stärke der Rekuperation lässt sich bequem über Schaltpaddles am Lenkrad in drei Stufen variieren. Ein kleiner ergonomischer Kritikpunkt betrifft das Lenkrad im X-Design: In der typischen Viertel-vor-Drei-Griffhaltung fehlt eine angenehme Daumenauflage, wodurch sich der Kranz auf Dauer etwas unkomfortabel anfühlt.
Platzangebot
Der um 5 Zentimeter verlängerte Radstand macht sich im Innenraum sofort bemerkbar. Im Fond reist es sich dank üppiger Bein- und Fußfreiheit sowie des um 40 % größeren Panorama-Glasdachs, das bis zu 50 mm mehr Kopffreiheit generiert, selbst mit 1,80 Metern Körpergröße extrem luftig. Da die Batterie im Unterboden sitzt, gibt es im Fond keinen störenden Mitteltunnel. Der Nachteil dieser Bauweise ist jedoch auch hier, dass der Fahrzeugboden etwas höher liegt und die Oberschenkel nicht vollflächig auf der Sitzbank aufliegen. Die Fondpassagiere genießen zudem eine eigene Klimazone und Sitzheizung für die äußeren Plätze. Die praktische Mittelarmlehne bietet zwei Becherhalter und eine clevere Smartphone-Halterung.
In Sachen Kofferraumvolumen markiert der DS N7 mit 560 Litern bis zu 1.570 Litern bei umgeklappter Rückbank den Spitzenwert im C-Segment. Die Rücksitze lassen sich im variablen 40:20:40-Split umlegen. Ein doppelter Ladeboden sorgt dafür, dass die ansonsten entstehende Ladekante komplett eingeebnet wird, und bietet darunter viel Platz für Ladekabel. Wählt man das optionale Focal-Soundsystem, verringert sich das Volumen durch den Subwoofer um lediglich 5 Liter (bei Allradmodellen um bis zu 20 Liter), was absolut verschmerzbar ist. Die Heckklappe öffnet elektrisch, und im Kofferraum warten zwei LED-Leuchten sowie ein 12-Volt-Anschluss. Die maximale Anhängelast beträgt bei den Elektroversionen starke 1.400 kg bei 80 kg Stützlast.






Innenraum
Der Innenraum des DS N7 ist eine absolute Design-Ansage und hebt sich wohltuend vom Einheitsbrei ab. Die Materialauswahl in der La Première-Ausstattung ist exquisit: Edle, bayerische Nappa-Leder-Sitze im typischen DS-Uhrenarmband-Design (alternativ Alcantara), weischgeschäumte Oberflächen bis in die unteren Türbereiche und wunderschöne Aluminium-Lautsprecherabdeckungen dominieren das Bild. Einzig im ganz tiefen Sichtbereich findet sich Hartplastik. Ein absolutes Kuriosum und echtes Komfort-Highlight sind die beheizbaren Nackenstützen vorne – ein Feature, das man sonst fast nur aus Cabrios kennt. Zudem bieten die elektrischen Sitze eine Memory-Funktion, verstellbare Seitenwangen und eine exzellente, sehr intensiv agierende Massagefunktion.
Das Cockpit setzt auf ein digitales Instrumentencluster und ein großes, elegant ins Armaturenbrett integriertes Infotainment-Display, das nicht wie ein nachträglich aufgesetztes Tablet wirkt. Die flüssige Software bietet Wireless Apple CarPlay, Android Auto und eine TomTom-Navigation inklusive intelligenter Lade-Routenplanung und automatischer Batterievorkonditionierung. Sogar ChatGPT ist als Sprachassistent direkt integriert. Unter dem Bildschirm befinden sich schicke Schnellzugriffstasten und eine induktive Ladefläche, während der stylische Gangwahlhebel aus dem Stellantis-Regal stammt. Für ein tolles Ambiente sorgt die aufwendige, großflächige Ambientebeleuchtung an den Türen und der Mittelkonsole. Kritikpunkte im Detail: Der Dachhimmel ist leider nur in Grau statt in edlem Schwarz gehalten, das Heckfenster fällt recht klein aus (was DS jedoch clever durch einen kamerabasierten, digitalen Rückspiegel kompensiert), und der Türgriff zum Zuziehen ist designbedingt extrem weit hinten und tief platziert, was das Schließen der Tür anfangs sehr unintuitiv macht. Die äußeren Türgriffe sind aerodynamisch versenkt und fahren bei Annäherung automatisch aus.
Motorvarianten und Ladetechnik
DS bietet für den neuen DS N7 insgesamt vier Antriebsvarianten an – drei rein elektrische E-Tense-Modelle und einen Mild-Hybriden:
-E-Tense Front-Wheel Drive Long Range (Testwagen): Ab 61.700 €, 245 PS (Peak 280 PS), 343 Nm Drehmoment und eine riesige 97,2 kWh Batterie (Netto). Reichweite bis zu 740 km (mit den kleinsten Felgen) bzw. 689 km mit den wunderschönen 21-Zoll-Rädern.
-E-Tense Front-Wheel Drive: Ab 56.300 €, kleinere 73,7 kWh Batterie, bis zu 543 km Reichweite.
-E-Tense All-Wheel Drive Long Range: Ab 66.100 €, Allradantrieb, 350 PS (Peak 375 PS), große 97,2 kWh Batterie, bis zu 679 km Reichweite.
Hybrid: Einziger Verbrenner im Bunde mit einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbomotor und 136 PS. Mit 5,4 Litern Verbrauch zwar sparsam, für ein Auto dieser Größe jedoch recht mager motorisiert. Ein größerer Hybrid wurde von DS bereits für die kommenden Monate angekündigt.
Geladen wird der DS N7 über eine große, nach oben öffnende Ladeklappe am hinteren linken Kotflügel. Dank der 400-Volt-Architektur liegt die maximale DC-Ladeleistung bei 160 kW in der Spitze. Das Besondere: Der DS N7 hält diese Peak-Leistung auf einem extrem Plateau von 20 bis 55 % konstant aufrecht. Erst danach fällt die Kurve ab, sodass bei 80 % Ladestand immer noch knapp 70 kW anliegen. Der Ladevorgang von 20 auf 80 % ist somit in 27 Minuten erledigt. Für das Laden zu Hause oder an öffentlichen Ladesäulen ist serienmäßig ein 11 kW AC-Lader an Bord, der optional auf 22 kW aufgerüstet werden kann.
Fazit
Der neue DS N7 ist ein überaus gelungenes und extrem wichtiges Auto für die französische Premiummarke. Er bricht bewusst mit konventionellen Design-Mustern und bietet im Interieur wie Exterieur einen Extravaganz-Faktor, den man bei der deutschen Konkurrenz oft vermisst. Technisch brilliert die von uns getestete Long-Range-Elektrovariante mit einer phänomenalen Reichweite von bis zu 740 Kilometern und einer cleveren, sehr konstanten Ladekurve. Wer ein extrem komfortables, edel verarbeitetes und geräumiges SUV mit unverkennbarem Charakter sucht, findet hier eine faszinierende Alternative zu Audi, BMW und Mercedes. Ob sich das mutige Design und das Bedienkonzept auf dem deutschen Markt gegen die etablierten Platzhirsche durchsetzen kann, bleibt spannend – das Zeug dazu hat der DS N7 allemal.
Der Autor
Autos begleiten mich nicht nur – sie prägen mich. Schon früh hat sich bei mir eine tiefe Begeisterung für alles entwickelt, was vier Räder hat. Diese Leidenschaft geht weit über den Alltag hinaus: Motorsport ist ein fester Bestandteil meines Lebens, genauso wie die Faszination für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte – vom kompromisslosen Sportwagen bis hin zum durchdachten Alltagsauto.
Über die Jahre habe ich mir durch zahlreiche Testberichte und praktische Erfahrungen ein fundiertes Verständnis für Fahrzeuge erarbeitet. Ich durfte viele Autos nicht nur kurz bewegen, sondern sie wirklich kennenlernen – auf der Straße, im Alltag und in unterschiedlichsten Situationen. Genau dieser Erfahrungsschatz fließt in meine Inhalte ein.
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