Mit dem Kia Seltos bringt der südkoreanische Automobilhersteller ein extrem wichtiges Modell nach Deutschland. Was hierzulande als absolute Neuheit debütiert, ist global bereits eine tragende Säule der Marke: Der Seltos ist weltweit das zweitmeistverkaufte Auto von Kia. Im Produktportfolio der Südkoreaner schließt das Kompakt-SUV im gefragten C-Segment die Lücke zwischen dem Crossover XCeed und dem größeren Sportage. Preislich startet der in Südkorea produzierte Seltos bei einem Basispreis von 34.190 €. Für unseren voll ausgestatteten Testwagen in der maskulinen Top-Ausstattung X-Line klettert der Preis auf 43.340 €. Neben der X-Line stehen die Linien Vision, Spirit und GT-Line zur Auswahl. Ein echter Pluspunkt: Die markante Kommunikationsfarbe „Tan Beige“ ist gleichzeitig die kostenlose Standardlackierung.
In den Abmessungen präsentiert sich der Seltos mit einer Länge von 4,43 Metern, einer Breite von 1,83 Metern und einer Höhe von 1,61 Metern bei einem Radstand von 2,69 Metern. Trotz seiner kompakten, absolut stadtkonformen Maße wirkt das SUV optisch deutlich bulliger und größer. Das Design folgt der aktuellen Philosophie „Opposites United“: Das markante LED-Tagfahrlicht zieht sich mit filigranen, beleuchteten Elementen bis weit in den schwarzen Kühlergrill hinein. Echte Lufteinlässe an der Front und die für die X-Line exklusiven, geometrisch gestalteten 19-Zoll-Leichtmetallfelgen unterstreichen den modernen Auftritt. Ein funktionales Highlight ist die üppige Dachlast von 100 kg. Abgerundet wird das Exterieur durch eine Privacy-Verglasung im Fond sowie elektrisch ausfahrende Türgriffe, die den Zugang via Keyless-Entry oder digitaler Schlüsselkarte auf dem Smartphone freigeben.
Motorvarianten, Zukunftsausblick und Ladetechnik
Zum Marktstart ist für den Kia Seltos zunächst eine einzige Antriebsvariante verfügbar. Es lohnt sich jedoch ein Blick auf die nahe Zukunft, da Kia bereits für Ende des Jahres eine hochinteressante Erweiterung angekündigt hat:
1.6 T-GDI (Testwagen): Ein bewährter 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 180 PS und einem maximalen Drehmoment von 265 Nm. Der Motor ist wahlweise als Fronttriebler (2WD) oder mit Allradantrieb (AWD) sowie als Handschalter oder mit Automatikgetriebe lieferbar. Der WLTP-Verbrauch ist kombiniert mit 7,0 Litern angegeben, was bei einem 50-Liter-Tank eine theoretische Reichweite von knapp 715 Kilometern ermöglicht.
Full Hybrid (Vorschau): Ende des Jahres folgt ein klassischer Vollhybrid. Dieser kombiniert einen Benzinmotor mit einer 1,49 kWh großen Batterie, die rein elektrisches Anfahren und kurze City-Etappen ermöglicht. Der Clou dieses kommenden Modells: Er verfügt im Kofferraum über eine vollwertige Vehicle-to-Load-Steckdose (V2L). Damit lassen sich auch bei ausgeschaltetem Fahrzeug externe Verbraucher wie Kühlboxen oder Staubsauger betreiben, wobei ein Entladeschutz die Autobatterie ab 20 % Restkapazität automatisch sichert.
Fahreindruck
Auf der Straße erweist sich der Seltos 1.6 T-GDI als angenehm agiler Begleiter. Das SUV sprintet in 8,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 208 km/h. Über die Drive Modes am Lenkrad lassen sich die Kennlinien für Eco, Normal und Sport anwählen, wobei das Triebwerk im Sport-Modus spürbar direkter am Gas hängt. Das Fahrwerk bietet einen gelungenen Kompromiss aus Pkw-ähnlicher Agilität und SUV-Komfort. In schnell gefahrenen Kurven drückt die Karosserie zwar leicht nach außen, bleibt dank der präzisen Lenkung aber jederzeit absolut sicher und sauber kontrollierbar.
Ein echter Coup ist Kia bei der Geräuschdämmung gelungen: Bei konstant 130 km/h auf der Autobahn registriert das Messgerät im Innenraum flüsterleise 67 dB. Damit ist der Seltos besser isoliert als ein Tesla Model 3 (70 dB) und schlägt sogar den flachen Bruder XCeed. Erst in Richtung der 200-km/h-Marke nehmen die Windgeräusche an den massiven Seitenspiegeln bauartbedingt zu. Der Autobahnassistent (Level 2) inklusive adaptivem Tempomat und Spurzentrierung arbeitet extrem komfortabel. Besonders angenehm: Das System erkennt die Hand des Fahrers kapazitiv über bloße Berührung. Ein lästiges, aktives Ruckeln am Lenkrad, um dem System Aufmerksamkeit zu signalisieren, entfällt komplett.








| Länge | 4.43 m |
| Breite | 1.83 m |
| Höhe | 1.61 m |
| Radstand | 2.69 mm |
| Ladevolumen | 536 - 1.511 l |
| Tankinhalt | 50 l |
| Frunk | -- l |
| Dachlast | 100 kg |
| Anhängelast | 750 - 1.300 kg |
| Stützlast | 100 kg |
Platzangebot und Variabilität
Der Innenraum des Kia Seltos entpuppt sich als wahres Raumwunder und rückt dem deutlich größeren Sportage gefährlich nahe. Der Kofferraum fasst beachtliche 536 Liter und lässt sich durch das Umklappen der Rückbank auf bis zu 1.511 Liter erweitern – das sind lediglich 26 Liter weniger Volumen als im Sportage. Der Ladeboden ist modular aufgebaut und lässt sich zugunsten von mehr Tiefe eine Stufe nach unten versetzen. Zudem verfügt das Heck über ein variables Clip-Befestigungssystem für Taschen. Beim Umlegen der Lehnen (bequem vom Fond aus) entsteht eine vollkommen ebene Ladefläche ohne störende Ladekante. Gut ist auch die Integration einer Skidurchreiche / Tunnel im mittleren Segment der Rückbank, wodurch langes Material durchgeladen werden kann, während außen zwei Personen sitzen. Die effektive Laderaumlänge beträgt im Standardzustand ca. 92 cm und wächst bis zum Fahrersitz auf stolze 1,74 Meter. Die Anhängelast liegt je nach Variante zwischen 730 kg (ungebremst) und 1.300 kg (gebremst), während die Stützlast von 100 kg einen absoluten Spitzenwert für den E-Bike-Transport darstellt.
Im Fond reisen Passagiere extrem komfortabel. Dank der in der Neigung verstellbaren Rücksitzlehne findet jeder eine entspannte Sitzposition. Bei einer Körpergröße von 1,80 Metern bleibt massig Knie-, Fuß- und Kopffreiheit. Zwei Luftdüsen, zwei in die Vordersitze integrierte USB-C-Buchsen, Kleiderbügel an den Kopfstützen sowie eine ausklappbare Mittelarmlehne mit Cupholdern werten die zweite Reihe auf. In der X-Line spendiert Kia zudem eine Sitzheizung für die äußeren Fondplätze. Einziger Kritikpunkt hinten: Die Türverkleidungen bestehen abseits der weich gepolsterten Armauflage komplett aus trist klingendem Hartplastik.
Innenraum und Ergonomie
Das Cockpit überzeugt mit der typischen, intuitiven Kia-Ergonomie. Fahrer und Beifahrer blicken auf eine große, geschwungene Display-Landschaft, bestehend aus dem digitalen Instrumentencluster und dem flüssig reagierenden Infotainment-Touchscreen inklusive Head-up-Display. Die Software unterstützt Apple CarPlay und Android Auto tadellos. Die Zwei-Zonen-Klimaautomatik wird vorbildlich über eine vollkommen separate Bedieneinheit unter dem Bildschirm gesteuert. Ein absolutes Ergonomie-Highlight sind die neuen Mesh-Kopfstützen der Vordersitze: Das feine Netzgewebe schmiegt sich extrem weich und komfortabel an den Kopf an.
Die X-Line verwöhnt die vorderen Passagiere mit elektrisch verstellbaren Sitzen inklusive Memory-Funktion für den Fahrer sowie einer Lenkradheizung und einer intensiven, dreistufigen Sitzkühlung. In der Mittelkonsole befinden sich eine induktive Ladefläche, ein USB-A- und ein USB-C-Port sowie ein variabler Cupholder-Bereich, der sich bei Nichtgebrauch komplett zu einer ebenen Ablagefläche schließen lässt. Unter der Mittelarmlehne bleibt Platz für Kleinkram. Während im direkten Sichtbereich feine Materialien dominieren, patzt der Seltos bei genauerem Hinsehen mit einem recht hohen Hartplastik-Anteil am oberen Armaturenbrett und an den oberen Türbrüstungen.
Beim Thema Fahrerassistenz zeigt sich das SUV hochmodern: Der vorgeschriebene EU-Geschwindigkeitswarner lässt sich erfreulicherweise durch ein langes Drücken der Mute-Taste am Lenkrad schnell stummschalten. Die neue, im Innenspiegel integrierte Kamera zur Fahrer- und Beifahrerüberwachung agiert in der Praxis jedoch übervorsichtig und neigt dazu, den Beifahrer bei minimal unkonventionellen Sitzpositionen wiederholt lautstark zu maßregeln. Beim Rangieren des übersichtlichen Fahrzeugs hilft eine hochauflösende 360-Grad-Kamera inklusive speziellem Felgenschutz-Modus.
| Startpreis | 34.190 € |
| Preis des Testwagens | 42.340 € |
| Motor | 1.6 T-GDI 4-Zylinder |
| Leistung | 180 PS 265Nm | Getriebe | 7-Gang-DCT |
| Antrieb | Frontantrieb |
Fazit
Mit dem Seltos bringt Kia ein extrem stimmiges Produkt nach Deutschland, das im C-Segment für mächtig Wirbel sorgen dürfte. Das SUV kombiniert die kompakten, urbanen Außenmaße eines XCeed mit dem fast vollwertigen Kofferraum- und Platzangebot des größeren Sportage. Die flüsterleise Dämmung von 67 dB, die genialen Mesh-Kopfstützen und die gewohnte 7-Jahre-Kia-Garantie machen den Seltos zu einem der stärksten Allrounder auf dem Markt.
Im Konkurrenzumfeld ist der Seltos goldrichtig platziert: Ein Toyota Corolla Cross (ab 33.351 €) bietet zwar jetzt schon den ausgereiften Hybrid, wirkt im Innenraum jedoch deutlich altbackener und verzichtet auf moderne Komfortfeatures wie eine Sitzbelüftung. Der VW T-Roc (ab 30.995 €) ist spürbar kleiner, bietet weniger Kofferraum und enttäuscht mit einer mageren Zwei-Jahres-Garantie. Wer nicht zwingend sofort einen Allradantrieb oder maximalen Sparsamkeitsdrang verspürt, findet im aktuellen 180-PS-Benziner ein tolles Paket. Für urbane Sparkünstler könnte es sich jedoch lohnen, auf den im Winter folgenden Vollhybrid zu warten.
Der Autor
Autos begleiten mich nicht nur – sie prägen mich. Schon früh hat sich bei mir eine tiefe Begeisterung für alles entwickelt, was vier Räder hat. Diese Leidenschaft geht weit über den Alltag hinaus: Motorsport ist ein fester Bestandteil meines Lebens, genauso wie die Faszination für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte – vom kompromisslosen Sportwagen bis hin zum durchdachten Alltagsauto.
Über die Jahre habe ich mir durch zahlreiche Testberichte und praktische Erfahrungen ein fundiertes Verständnis für Fahrzeuge erarbeitet. Ich durfte viele Autos nicht nur kurz bewegen, sondern sie wirklich kennenlernen – auf der Straße, im Alltag und in unterschiedlichsten Situationen. Genau dieser Erfahrungsschatz fließt in meine Inhalte ein.
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