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Kia K4 im Test: Die südkoreanische Design-Ansage für die Kompaktklasse

Mit dem brandneuen Kia K4 präsentieren die Südkoreaner die nächste Stufe ihrer Designphilosophie „Opposites United“. Während das Modell optisch stark an die elektrischen EV-Brüder angelehnt ist, handelt es sich hierbei um ein klassisches Verbrenner-Modell der Kompaktklasse. Eine weltweite Premiere markiert der Produktionsstandort: Der K4 ist das erste Kia-Modell, das komplett im Werk in Mexiko vom Band läuft. Neben der von uns getesteten Stufenheck-Limousine bietet Kia die Karosserievariante als K4 Sportswagon an. Letzterer schlägt im Konfigurator mit exakt 1.000 € Aufpreis zu Buche und fällt in der Länge noch einmal deutlich üppiger aus.

Der Einstiegspreis für die Schrägheck-Limousine beginnt bei 28.890 € in der Basislinie Core. Wer sich für die Sportswagon-Variante entscheidet, startet entsprechend bei 29.890 €. Neben der Core-Linie stehen die Ausstattungen Vision, Spirit sowie das von uns getestete Topmodell GT-Line zur Wahl. Unser Testwagen, ausgerüstet mit dem stärksten Vierzylinder-Benziner und der Sonderlackierung „Interstellar Grau Metallic“ (790 €) – klettert auf einen Gesamtpreis von 42.740 €. Wer möchte, kann für 990 € noch ein elektrisches Glasschiebedach ordern, auf das bei unserem Modell verzichtet wurde.

In den Abmessungen erstreckt sich die K4 Limousine auf eine Länge von 4,44 Metern, eine Breite von 1,85 Metern (mit eingeklappten Spiegeln) und eine Höhe von 1,43 Metern. Der K4 Sportswagon legt in der Länge um satte 26 Zentimeter zu und bringt es auf stattliche 4,70 Meter. Der Radstand fällt bei beiden Varianten mit 2,72 Metern extrem großzügig aus. Optisch sticht die GT-Line durch extrem breit ausgestellte Kotflügel, bündige Türgriffe in den C-Säulen im Fond und das prägnante LED-Lichtband an der Front hervor. Flankiert wird die Front von Voll-LED-Scheinwerfern, die in der GT-Line durch 12 zusätzliche LED-Module aufgewertet werden. Echte Lufteinlässe im unteren Stoßfänger kühlen die Aggregate. Die zulässige Dachlast beträgt 75 kg. Ab Werk rollt die GT-Line auf markanten 18-Zoll-Leichtmetallrädern (serienmäßig sind 17 Zoll) mit Scheibenbremsen an beiden Achsen. Wie für Kia üblich, sorgt die 7-Jahre-Herstellergarantie (bis 150.000 km) für maximale Absicherung.

Motorvarianten und Antriebstechnik

Unter der weit öffnenden Motorhaube (die allerdings manuell ohne Gasdruckdämpfer aufgestellt werden muss) bietet Kia vier verschiedene Verbrenner-Antriebe an. Sämtliche Varianten sind rein als Fronttriebler konzipiert; ein Allradantrieb wird nicht angeboten:

  • 1.0 T-GDI: Einstiegs-Dreizylinder-Turbobenziner mit 115 PS und 6-Gang-Schaltgetriebe. WLTP-Verbrauch: 6,0 Liter/100 km.

  • 1.0 T-GDI MHEV: Identischer 115-PS-Dreizylinder, gekoppelt an ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT) und ein 48-Volt-Mildhybridsystem zur Unterstützung beim Anfahren. WLTP-Verbrauch: 5,8 Liter/100 km.

  • 1.6 T-GDI (150 PS): Turbo-Vierzylinder mit 150 PS und 7-Gang-DCT-Getriebe.

  • 1.6 T-GDI (Testwagen): Das Top-Aggregat leistet 180 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 265 Nm. Gekoppelt an das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe beschleunigt die Limousine in 8,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h.

Das 180-PS-Triebwerk überzeugt mit kräftigem Durchzug auf der Autobahn. Beim scharfen Anfahren aus dem Stand bringt der reine Frontantrieb das hohe Drehmoment gelegentlich zum Stempeln der Vorderräder. Der Wählstufen-Hebel in der Mittelkonsole ist als massiver, klassischer mechanischer Wählhebel im US-Truck-Stil ausgeführt, lässt sich alternativ aber auch manuell über Schaltwippen am Lenkrad bedienen. Der offizielle WLTP-Verbrauch für den 180-PS-Benziner ist mit 6,9 Litern beziffert. Im Praxistest über gemischte Autobahn- und Überlandfahrten pendelte sich der Realverbrauch bei exakt 7,0 bis 7,8 Litern ein. Bei vorausschauender Fahrweise im Eco– oder Normal-Modus lässt sich die 7-Meter-Marke mühelos knacken. Mit dem 47-Liter-Kraftstofftank sind Alltagsreichweiten von knapp 680 Kilometern realistisch.

Fahreindruck

Obwohl der K4 ursprünglich primär für den US-amerikanischen Markt konzipiert wurde, haben die Kia-Ingenieure das Fahrwerk für den europäischen Markt spürbar nachgestrafft. Der Wagen bietet eine gelungene Balance aus langstreckentauglichem Komfort und sportlicher Stabilität. In schnell gefahrenen Autobahnkurven liegt der K4 extrem satt auf der Straße und verzeichnet nur minimale Karosserieneigungen.

Die Geräuschdämmung in der Kabine ist phänomenal: Bei Richtgeschwindigkeit 130 km/h auf der Autobahn pegelt sich der Innenraum-Schallpegel bei flüsterleisen 67 dB ein. Damit schlägt die K4 Limousine in puncto Akustik-Komfort sogar etablierte Premium-Mitstreiter. Die Lenkung arbeitet im Sport-Modus angenehm direkt, wenngleich das Doppelkupplungsgetriebe im Normal-Modus bei spontanen Kickdown-Befehlen gelegentlich eine spürbare Gedenksekunde einlegt.

Die verbauten Level-2-Assistenzsysteme überzeugen auf ganzer Linie. Der adaptive Tempomat und die Spurzentrierung halten den Wagen souverän in der Fahrspur. Zudem unterstützt das System automatische Spurwechsel auf Antippen des Blinkers. Ein cleveres Komfortdetail: Ein langes Drücken der Mute-Taste am Multifunktionslenkrad deaktiviert den gesetzlichen EU-Geschwindigkeitswarner mit nur einem einzigen Handgriff. Die Rundumsicht ist dank großer Fensterflächen und der Totwinkel-Anzeige direkt im digitalen Tacho hervorragend. Der Wendekreis fällt mit 10,7 Metern angenehm klein aus.

Abmessungen & Maße
Länge4.44 m
Breite1.85 m
Höhe1.43 m
Radstand2.72 mm
Ladevolumen438 - 1.217 l
Tankinhalt40 l
Frunk47 l
Dachlast75 kg
Anhängelast710 - 1.410 kg
Stützlast75 kg

Platzangebot und Variabilität

Der Radstand von 2,72 Metern beschert den Insassen fantastische Raumverhältnisse. Im Fond genießen Passagiere bis zu einer Körpergröße von 1,80 Metern eine phänomenale Bein- und Fußfreiheit. Auch die Kopffreiheit reicht unter der abfallenden Dachlinie für Personen bis 1,80 Meter völlig aus. Die Rücksitzlehnen der GT-Line sind im Fond mit integrierten Kleiderbügeln an den Kopfstützen aufgewertet. In den Türen und an den Sitzlehnen dominiert pflegeleichter Kunststoff. Die äußeren Sitzplätze im Fond verfügen in der Top-Ausstattung über eine zweistufige Sitzheizung, zwei USB-C-Ladebuchsen und eigene Luftdüsen.

Der Kofferraum der Limousine fasst im Standardzustand beachtliche 438 Liter und lässt sich durch das Umklappen der Rückbank im 40:60-Split auf bis zu 1.217 Liter erweitern. Wer sich für das Mild-Hybrid-Modell entscheidet, muss aufgrund des 48-Volt-Akkus im Unterboden mit rund 100 Litern weniger Volumen rechnen. Ein kleinerer Kritikpunkt betrifft die Bauform: Das Gepäckabteil wird manuell über eine Heckklappe entriegelt (eine elektrische Verriegelung wird nicht angeboten). Die Ladeöffnung fällt stufenheckbedingt etwas schmaler aus als beim K4 Sportswagon. Eine Skidurchreiche im mittleren Segment erlaubt das Verladen von langen Gegenständen, ohne die äußeren Sitzplätze zu opfern.

In puncto Anhängelast unterscheidet sich das Fahrzeug stark je nach Motorisierung: Während die Dreizylinder-Automatik-Variante lediglich 710 kg ziehen darf, bewältigt der Vierzylinder-Testwagen eine Anhängelast von bis zu 1.410 kg (gebremst) bei einer hervorragenden Stützlast von 75 kg (ideal für Fahrradträger).

Innenraum, Infotainment und Ergonomie

Das Cockpit des Kia K4 präsentiert sich hochmodern und luxuriös. Der Fahrer blickt auf ein großflächiges Panoramic-Display, bestehend aus einem digitalen Kombiinstrument, einem integrierten Touchscreen für die Klimatisierung und dem Haupt-Infotainment-Bildschirm. Zusätzlich projiziert ein gestochen scharfes Head-up-Display alle relevanten Daten auf die Windschutzscheibe. Das System unterstützt kabelloses Apple CarPlay und Android Auto serienmäßig ab Werk

Ein absolutes Highlight im Innenraum sind die vorderen Ledersitze der GT-Line: Neben einer elektrischen Verstellung samt Memory-Funktion für den Fahrersitz bieten beide Vordersitze eine dreistufige Sitzheizung sowie eine eisige Sitzbelüftung. Die Zwei-Zonen-Klimaautomatik kann sowohl über das Touch-Feld im Display als auch über haptische Schalter in der Mittelkonsole gesteuert werden. In der Mittelkonsole befinden sich eine induktive Smartphone-Ladestation, zwei USB-C-Ports, ein 12V-Anschluss sowie flexible, einklappbare Becherhalter. Die Verarbeitung ist auf einem sehr hohen Niveau. Beim Rangieren unterstützt eine hochauflösende 360-Grad-Kamera inklusive 3D-Umfeldansicht.

Preise & Antrieb
Startpreis28.890 €
Preis des Testwagens42.740 €
Motor1.6L Turbo 4 Zylinder T-GDI
Leistung150PS 250Nm
Getriebe 7 Gang DCT Automatik
Antrieb Frontantrieb

Fazit

Der Kia K4 GT-Line zeigt im Test eindrucksvoll, dass klassische Verbrenner-Limousinen noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Mit seiner mutigen Optik, dem leisen Innenraum (67 dB bei 130 km/h) und einer Ausstattung, die sonst eher im Premium-Segment zu finden ist, setzt der Südkoreaner Maßstäbe in der Kompaktklasse.

Im direkten Konkurrenzumfeld behauptet sich der K4 glänzend: Ein VW Golf (ab 32.080 €) ist im Grundpreis spürbar teurer, fällt rund 20 Zentimeter kürzer aus und bietet bei weitem nicht das Serien-Ausstattungsniveau oder die 7-Jahre-Garantie von Kia. Der Seat Leon (ab 29.270 €) punktet zwar mit agilem Handling, kann bei der Cockpit-Ergonomie und den Sitz-Features jedoch nicht vollends mithalten. Ein Toyota Corolla (Aktionspreis ab 29.500 €) bietet zwar den extrem sparsamen Vollhybrid-Antrieb, wirkt im Innenraum jedoch spürbar altbackener. Einzig wer maximalen Laderaum sucht, greift direkt zum K4 Sportswagon. Für Liebhaber moderner, komfortabler und extrem leiser Kompakt-Limousinen ist der Kia K4 1.6 T-GDI eine der attraktivsten Neuerscheinungen des Jahres.