Mit dem A390 GT schlägt Alpine ein völlig neues Kapitel auf: Es ist das erste Fahrzeug der Marke mit Allradantrieb und drei Motoren. Das Design wirkt fast wie bei einem Concept Car – besonders die Front mit den „Cosmic Dust“ Lichtelementen und den extrem schmalen Matrix-LED-Scheinwerfern sorgt für einen futuristischen „Sharknose“-Look. Preislich startet die GT-Variante bei 67.500 €, während die leistungsstärkere GTS-Version ab dem zweiten Quartal bei ca. 78.000 € liegen wird. Unser voll ausgestatteter Testwagen in der ikonischen „Blue Alpine Vision“ Lackierung (Aufpreis 1.600 €) kommt auf stolze 79.390 €. Trotz der elektrischen Bauweise versucht Alpine, der Leichtbau-Philosophie treu zu bleiben, indem viele Aluminium-Anbauteile verwendet werden, auch wenn das Gesamtgewicht bei über 2,1 Tonnen liegt.
Fahreindruck
Obwohl das Auto schwer ist, fühlt es sich dank des aktiven Torque Vectoring an der Hinterachse erstaunlich agil an. Die Kraft wird in Kurven blitzschnell an das kurvenäußere Rad verteilt, was den Wagen förmlich in den Radius hineindrückt und das Gewicht kaschiert. Über Schaltwippen am Lenkrad lässt sich die Rekuperation in drei Stufen einstellen, bis hin zum „One-Pedal-Mode“. Im Innenraum sorgt der „Overdrive“-Button am Lenkrad für einen kurzzeitigen Leistungsschub, untermalt von einem markanten Fake-Motorsound. Bei Tempo 130 auf der Autobahn überzeugt der Alpine mit einer Geräuschkulisse von ca. 70 dB, was ihn deutlich leiser macht als viele kompakte Stromer.
Platzangebot
Mit einer Länge von 4,61 Metern bietet der A390 GT ein ordentliches Platzangebot. Der Kofferraum fasst 523 Liter (bis zu 1.643 Liter bei umgeklappter Rückbank), weist jedoch eine deutliche Ladekante auf. Einen „Frunk“ unter der Motorhaube gibt es nicht, weshalb Ladekabel hinten verstaut werden müssen. Im Fond sitzt man dank 2,71 Metern Radstand bequem, auch wenn die Beine aufgrund der Batterie im Boden etwas steil angewinkelt sind. Vermisst haben wir hinten eine Mittelarmlehne und eigene Klimazonen – hier merkt man den Fokus auf den Fahrer. Positiv hervorzuheben ist die „France Identity“: Das Auto wird komplett in Frankreich gefertigt, was den Stolz der Marke unterstreicht.





Innenraum
Das Interieur kombiniert Alpine-typisches Alcantara mit moderner Google-Integration. Das Infotainment-System basiert auf Google Maps und bietet kabelloses Apple CarPlay sowie Android Auto. Ein Head-up-Display sucht man leider vergeblich, dafür ist die Materialqualität mit Alcantara an der A-Säule und am Dachhimmel sehr hochwertig. Ein besonderes Feature ist der physische „Personalized Assist“-Knopf, mit dem sich voreingestellte Assistenzsysteme (wie der Tempowarner) mit einem Klick deaktivieren lassen. Die Sicht nach vorne ist durch die recht massiven A-Säulen etwas eingeschränkt, was die serienmäßige 360-Grad-Kamera umso wichtiger macht.
Motorvarianten und Ladetechnik
Der A390 GT wird von drei Elektromotoren angetrieben, die zusammen eine Systemleistung von 400 PS und ein Drehmoment von 661 Nm generieren. Damit sprintet der Crossover in 4,8 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Wer mehr will, muss zum GTS greifen, der mit 470 PS und 220 km/h Spitze aufwartet. Ein kritischer Punkt ist jedoch die Technik unter dem Blech: Alpine setzt auf eine 400-Volt-Architektur, was die maximale Ladeleistung auf 150 kW begrenzt. Im Vergleich zur Konkurrenz von Porsche oder Hyundai, die mit 800-Volt-Systemen deutlich schneller laden, ist dies ein kleiner Nachteil. Die 89 kWh Batterie ermöglicht eine kombinierte WLTP-Reichweite von 551 km. Ein Highlight für Technik-Fans sind die 21-Zoll-Michelin-Pilot-Sport-Reifen, die eine spezielle, fast stoffartige Flanke besitzen und optimal auf das Fahrzeug abgestimmt wurden.
Fazit
Der Alpine A390 GT ist ein mutiger Schritt in die elektrische Zukunft. Er sieht spektakulär aus, fährt sich dank cleverer Drehmomentverteilung sehr sportlich und bietet ein hochmodernes Infotainment. Die 400-Volt-Architektur und die Ladeleistung von 150 kW könnten Langstreckenfahrer jedoch zögern lassen, besonders in dieser Preisregion. Wer jedoch einen exklusiven, französischen Sport-Fastback sucht, der sich agiler anfühlt als fast jeder andere Elektro-SUV, wird hier fündig.
Der Autor
Autos begleiten mich nicht nur – sie prägen mich. Schon früh hat sich bei mir eine tiefe Begeisterung für alles entwickelt, was vier Räder hat. Diese Leidenschaft geht weit über den Alltag hinaus: Motorsport ist ein fester Bestandteil meines Lebens, genauso wie die Faszination für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte – vom kompromisslosen Sportwagen bis hin zum durchdachten Alltagsauto.
Über die Jahre habe ich mir durch zahlreiche Testberichte und praktische Erfahrungen ein fundiertes Verständnis für Fahrzeuge erarbeitet. Ich durfte viele Autos nicht nur kurz bewegen, sondern sie wirklich kennenlernen – auf der Straße, im Alltag und in unterschiedlichsten Situationen. Genau dieser Erfahrungsschatz fließt in meine Inhalte ein.
Danke, dass Ihr meine Leidenschaft teilt und Euch die Zeit nehmt, meine Inhalte zu verfolgen.
Mail: Kontakt@nonstopdriving.eu
Weitere Testberichte
Kia EV4 Hatchback im Test: Der kantige Lifestyle-Kombi für die Stadt?
DS N7 im Test: Französischer Luxus-Liner mit Rekord-Reichweite?
Tesla Model 3 Premium Long Range im Test: Der König der Effizienz?
Volvo XC60 Facelift im Test: Edler Dauerbrenner mit kleinen Schwächen beim Hybrid