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Mitsubishi Eclipse Cross EV im Test: Der französische Japaner als heimlicher Reichweiten-König

Mit dem Mitsubishi Eclipse Cross EV bringen die Japaner ihr erstes rein elektrisches Fahrzeug auf den Markt. Ein genauer Blick auf die Windschutzscheibe verrät jedoch sofort das wohl gehütetste Geheimnis des Crossovers: Dort prangt das Symbol des französischen Hahns. Der Eclipse Cross EV ist im Kern kein klassischer Japaner, sondern das Schwestermodell des Renault Scenic E-Tech. Mitsubishi bedient sich innerhalb der Allianz an der bewährten französischen Plattform, spendiert dem Fahrzeug jedoch ein eigenständiges Gesicht mit dem markanten Dynamic Shield 2.0-Design. Auffällig sind die massiven, grau abgesetzten Wangen-Elemente an der Front, die sich weit über den Stoßfänger ziehen und fest zur Optik gehören.

Preislich platziert sich das Modell überaus attraktiv. Während der französische Plattformbruder mit dem großen Akku erst bei rund 48.000 € startet, schickt Mitsubishi den Eclipse Cross EV mit der großen 87-kWh-Batterie bereits zu einem Einstiegspreis von 43.990 € ins Rennen, ein handfester Preisvorteil von satten 4.000 €. Das Modell wird in den drei Linien Diamond Plus, Diamond Top und Diamond Top mit Luxury-Paket angeboten. Unser voll ausgestatteter Testwagen in der Zweifarblackierung „Aurora Red“ mit schwarzem Kontrastdach klettert auf 55.340 €.

In den Abmessungen zeigt sich der Crossover mit einer Länge von 4,47 Metern, einer Breite von 1,86 Metern mit eingeklappten Spiegeln und einer Höhe von 1,57 Metern angenehm kompakt für den Alltag. Der Radstand von 2,78 Metern schafft optimale Proportionen, während der Wendekreis mit gerade einmal 10,92 Metern herausragend klein ausfällt. Zu den Exterieur-Highlights zählen Voll-LED-Scheinwerfer mit adaptivem Fernlichtassistenten, ein geschlossener Kühlergrill mit aktiver Kühlluftklappe im unteren Bereich, eine Dachreling mit 80 kg Dachlast sowie bündig integrierte Türgriffe, die bei Annäherung elektrisch ausfahren. Unser Testwagen rollt auf aerodynamischen 20-Zoll-Leichtmetallrädern mit Michelin-Bereifung, während serienmäßig 19-Zoll-Felgen montiert sind.

Motorvarianten, Batterietechnik und Ladeleistung

Unter der vorderen Haube, die ohne Gasdruckdämpfer auskommen muss, verzichtet Mitsubishi auf eine unübersichtliche Motorenpalette und bietet den Eclipse Cross EV in einer einzigen, harmonisch abgestimmten Konfiguration an. Ein permanenterregter Synchronmotor treibt die Vorderachse an und liefert eine Leistung von 160 kW (218 PS) sowie ein maximales Drehmoment von 300 Nm. Damit beschleunigt das rund 1.900 kg schwere Fahrzeug in flotten 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 170 km/h elektronisch abgeregelt, wobei der Tacho im Test sogar bis 175 km/h kletterte.

Das Herzstück ist das flache Lithium-Ionen-Batteriepaket im Unterboden mit einer Bruttokapazität von 92 kWh, von denen 87 kWh netto nutzbar sind. Der offizielle WLTP-Verbrauch ist mit 17,1 kWh/100 km beziffert. Im realen Autobahntest über eine Distanz von 40 Kilometern bei konstant 120 km/h genehmigte sich der Crossover sehr gute 18,3 kWh/100 km. Daraus resultiert eine echte Autobahn-Reichweite von rund 475 Kilometern, ein Spitzenwert, der den Eclipse Cross EV zu einem der reichweitenstärksten Fahrzeuge seiner Preisklasse macht.

Bedingt durch die 400-Volt-Architektur bleibt die DC-Ladeleistung an der Schnellladesäule mit maximal 150 kW beziffert. Im Praxistest lud das Fahrzeug von 13 auf 80 % in 35 Minuten bei einer gemessenen Peak-Leistung von 139 kW und einer soliden Durchschnittsladeleistung von 99 kW. Die Werksangabe von 37 Minuten für den Hub von 15 auf 80 % wird damit punktgenau eingehalten. Beim Wechselstrom-Laden an städtischen Ladesäulen oder der heimischen Wallbox punktet der Japaner mit einem serienmäßigen 22-kW-Bordlader. Zudem gewährt Mitsubishi eine umfangreiche Herstellergarantie von 8 Jahren bzw. 160.000 Kilometern auf das Fahrzeug und den Akku.

Fahreindruck

Auf der Straße überrascht der frontgetriebene Stromer mit einem agilen und handlichen Fahrverhalten. Dank des relativ niedrigen Gewichts von knapp 1,9 Tonnen und des tiefen Schwerpunkts durch den Akku durcheilt der Wagen Kurven mit minimaler Wankneigung. Die 218 PS hängen im Sport-Modus sehr direkt am Gas; erst jenseits von 150 km/h flacht der Durchzug bis zur Abregelung langsam ab.

Über die Schaltwippen am Lenkrad lässt sich die Rekuperation vierstufig bis hin zum echten One-Pedal-Drive verstellen, bei dem das Fahrzeug ohne Tritt auf das Bremspedal bis zum Stillstand verzögert. Das Fahrwerk bügelt gröbere Unebenheiten souverän weg, wenngleich Querfugen über die 20-Zoll-Räder spürbar in den Innenraum dringen.

Hervorragend schneidet der Eclipse Cross EV bei der Geräuschdämmung ab. Bei konstant 130 km/h auf rauerem Autobahnasphalt registrierte das Messgerät leise 69 dB, während auf glattem Asphalt bei wenig Wind sogar Werte um 68 dB erreicht werden. Die teilautonomen Fahrassistenten auf Level-2-Niveau arbeiten extrem zuverlässig und führen die Spurzentrierung bis 175 km/h ohne Phantombremsungen aus. Ein echter Ergonomie-Vorteil aus dem Renault-Konzernregal ist die physische Taste links neben dem Lenkrad: Mit einem doppelten Klick lassen sich individuell vorkonfigurierte Systeme wie der EU-Geschwindigkeitswarner und die Fahrerüberwachung blitzschnell stummschalten.

Platzangebot und Variabilität

Der lange Radstand von 2,78 Metern beschert den Fondpassagieren fürstliche Platzverhältnisse. Selbst hinter einem 1,80 Meter großen Fahrer genießen Mitreisende üppige Knie-, Fuß- und Kopffreiheit, sodass es sich auch zu viert auf langen Strecken extrem bequem reisen lässt. Die breite Mittelarmlehne im Fond bietet zwei Cupholder sowie praktische Smartphone-Halterungen. Eigene Klimaregler fehlen hinten, dafür stehen zwei separate Luftdüsen und zwei USB-C-Ladebuchsen bereit.

Der Heck-Kofferraum fasst im Standardzustand großzügige 545 Liter und lässt sich durch Umlegen der im Verhältnis 40:20:40 geteilten Rückbank auf bis zu 1.670 Liter erweitern. Das Umklappen erfolgt über Hebel direkt an den Sitzlehnen im Fond. Ein Wermutstropfen für die Variabilität ist das Fehlen eines doppelten Ladebodens, wodurch beim Beladen eine ausgeprägte Ladekante sowie eine deutliche Stufe zu den umgelegten Lehnen entsteht. Die praktische Durchreiche im mittleren Sitz erlaubt das unkomplizierte Transportieren von Skiern. Unter der Fronthaube gibt es keinen Frunk, da der gesamte Raum vom Elektromotor beansprucht wird. Als Ausgleich dient ein tiefes Fach unter dem Kofferraumboden, in dem Ladekabel problemlos verschwinden. Die Anhängelast beträgt gebremst bis zu 1.100 kg bei einer Stützlast von 75 kg.

Abmessungen & Maße
Länge4.47 m
Breite1.86 m
Höhe1.57 m
Radstand2.78 mm
Ladevolumen545 - 1.670 l
Tankinhalt-- l
Frunk-- l
Dachlast80 kg
Anhängelast750 - 1.100 kg
Stützlast75 kg

Innenraum, Infotainment und Ergonomie

Das Interieur übernimmt die moderne OpenR-Link-Architektur von Renault. Der Fahrer blickt auf ein digitales Kombiinstrument und ein hochkant angeordnetes 12-Zoll-Zentraldisplay. Die Software setzt nativ auf Google built-in: Google Maps kalkuliert die Routenführung samt präziser Ladestopps und automatischer Batterievorkonditionierung absolut fehlerfrei. Zudem stehen der Google Assistant und der Play Store zur Verfügung. Alternativ lässt sich das System kabellos über Apple CarPlay und Android Auto bespielen, wobei Navigationskarten sogar nahtlos ins Kombiinstrument gespiegelt werden. Ein Head-up-Display wird nicht angeboten.

Das unten abgeflachte Multifunktionslenkrad liegt gut in der Hand. Die Zwei-Zonen-Klimaautomatik wird vorbildlich über eine separate, physische Tastenleiste unter dem Bildschirm bedient. Im Luxury-Paket verwöhnt der Innenraum mit hellgrauen Kunstledersitzen, Memory-Funktion, Lenkradheizung und einer dezenten Massagefunktion für den Fahrersitz, wenngleich eine Sitzbelüftung fehlt. Ein absolutes Highlight ist das Solarbay-Panoramadach: Es verzichtet auf ein mechanisches Rollo und lässt sich elektrochrom in verschiedenen Segmenten per Knopfdruck von transparent auf milchig-opak dimmen. Der Innenspiegel lässt sich bei voller Beladung auf eine hochauflösende Kamera-Ansicht umschalten. In der schwebenden Mittelkonsole befinden sich eine induktive Ladeschale, flexible Becherhalter, zwei USB-C-Ports sowie ein klangstarkes Harman-Kardon-Soundsystem.

Preise & Antrieb
Startpreis43.990 €
Preis des Testwagens55.340 €
Batterie87 kWh (Netto)
Leistung218PS 300Nm
Getriebe --
Antrieb Frontantrieb

Fazit und Konkurrenzvergleich

Der Mitsubishi Eclipse Cross EV entpuppt sich als echter Geheimtipp im Segment der kompakten Elektro-SUVs. Durch den satten Preisvorteil von 4.000 € gegenüber dem identisch motorisierten Renault Scenic E-Tech, die üppige 87-kWh-Batterie und die unschlagbare 8-Jahre-Garantie schnürt Mitsubishi ein hochattraktives Gesamtpaket. Mit einer realen Autobahnreichweite von fast 480 Kilometern und dem exzellenten Google-Infotainment deklassiert er viele Mitbewerber im Reisekomfort.

Im Konkurrenzumfeld steht der Crossover glänzend da. Der baugleiche Renault Scenic E-Tech bietet zwar die identische Technik, ist ausstattungsbereinigt mit dem großen 87-kWh-Akku jedoch spürbar teurer. Ein Skoda Elroq startet mit 77 kWh ab rund 41.890 € und lädt mit 165 kW zwar geringfügig schneller, bietet jedoch die kleinere Batteriekapazität und verzichtet auf die native Google-Maps-Integration. Der Hyundai Ioniq 5 zieht an der Schnellladesäule dank 800-Volt-Architektur zwar uneinholbar davon, liegt preislich mit großem Akku jedoch in einer deutlich höheren Liga jenseits der 54.000 €. Wer mit der moderaten DC-Ladezeit von 35 Minuten und der Stufe im Kofferraum leben kann, erhält mit dem Eclipse Cross EV ein hocheffizientes, leises und extrem reichweitenstarkes Familien-Elektroauto zu einem überaus fairen Kurs.