Der neue Mazda 6e markiert einen Wendepunkt für die japanische Marke, auch wenn er unter dem Blech eine spannende Identität verbirgt. Dieses Fahrzeug ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Changan und basiert technisch auf dem Deepal SL03. Dennoch hat Mazda viel Wert darauf gelegt, das Design und die Fahrcharakteristik an die eigene „Kodo“-Philosophie anzupassen. Mit einer Länge von 4,92 Metern, einer Breite von 1,89 Metern und einer Höhe von 1,48 Metern ist der 6e eine stattliche Fließheck-Limousine, die mit ihrem Radstand von 2,90 Metern viel Präsenz zeigt. Der Startpreis liegt bei 44.900 € für die Ausstattungsvariante „Takumi“. Wer sich für die „Takumi Plus“-Version entscheidet, landet bei 46.900 € und erhält ein nahezu voll ausgestattetes Fahrzeug. Optisch besticht der Wagen besonders von vorne durch den beleuchteten Kühlergrill und die schmalen Matrix-LED-Scheinwerfer, die ihn sofort als Mazda erkennbar machen.


Fahreindruck
Auf der Straße merkt man dem Mazda 6e seine sportliche Auslegung an. Mit Heckantrieb und einem tiefen Schwerpunkt durch die im Unterboden verbaute Batterie liegt die Limousine satt auf dem Asphalt. Das Fahrwerk ist eher straff abgestimmt, was zwar für wenig Wankbewegungen in Kurven sorgt, Unebenheiten auf der Straße jedoch spürbar an die Insassen weitergibt. Die Lenkung ist präzise, und die Bremsen fühlen sich nach einer kurzen Eingewöhnung sehr angenehm an. Ein technisches Highlight ist der elektrisch ausfahrbare Heckspoiler, der die Aerodynamik bei höheren Geschwindigkeiten unterstützt. Bei winterlichen Bedingungen unter 0° C zeigte unser Testwagen jedoch eine Schwäche: Ohne Vorkonditionierung der Batterie stand beim Losfahren am Morgen spürbar weniger Leistung zur Verfügung – ein Faktor, den man bei kalten Temperaturen einplanen muss. Die Assistenzsysteme wie der adaptive Tempomat und die Spurzentrierung arbeiten grundsätzlich zuverlässig, allerdings ist der Widerstand im Lenkrad bei manuellen Eingriffen recht hoch, was zu ruckartigen Bewegungen beim Übersteuern des Systems führen kann.
Platzangebot
Im Innenraum spielt der Mazda 6e die Vorteile seines langen Radstandes voll aus. Besonders im Fond ist die Beinfreiheit massiv, sodass selbst großgewachsene Passagiere sehr komfortabel reisen. Die Kopffreiheit ist für eine Limousine bis zu einer Körpergröße von etwa 1,85 Metern absolut ausreichend. Der Kofferraum bietet mit 466 Litern ein ordentliches Volumen für dieses Segment, wobei das Fließheck-Design das Beladen im Vergleich zu einer klassischen Stufenheck-Limousine deutlich erleichtert. Praktische Details wie das integrierte Sonnenrollo für das große Panoramaglasdach, das sich sogar vom Fond aus elektrisch bedienen lässt, unterstreichen den Premium-Anspruch. Einzig eine Durchlademöglichkeit für Ski oder eine Fernentriegelung der Rückbank aus dem Kofferraum vermisst man im Alltag.




Innenraum
Das Interieur des Mazda 6e wirkt sehr edel, besonders in der Takumi Plus Ausstattung mit dem braunen Leder und der hochwertigen Verarbeitung. Mazda setzt hier konsequent auf ein modernes Bedienkonzept, bei dem fast alle Funktionen – von der Klimaanlage bis zur Spiegelverstellung – über das zentrale Infotainment-System gesteuert werden. Das System läuft dank eines leistungsstarken Chips extrem flüssig und bietet Wireless Apple CarPlay sowie Android Auto. Ein fahrerorientiertes digitales Cockpit und ein scharfes Head-up-Display versorgen den Fahrer mit allen nötigen Informationen. Luxuriöse Details wie eine belüftete induktive Ladefläche für das Smartphone, eine edle Sony-Soundanlage und die umfangreiche Ambientebeleuchtung schaffen eine Wohlfühlatmosphäre. Man merkt dem Interieur jedoch seine chinesischen Wurzeln an: Die Menüführung und die Logik der Einstellungen weichen deutlich von bisherigen Mazda-Modellen ab und erfordern eine gewisse Einarbeitungszeit.
Motorvarianten
Mazda bietet den 6e in zwei Varianten an, wobei unsere Empfehlung ganz klar auf der „Standard Range“ liegt. Diese verfügt über eine 68,8 kWh Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP), die 258 PS leistet und mit bis zu 160 kW laden kann. Die theoretische Reichweite liegt bei etwa 479 km. In unserem Wintertest bei 0° C stießen wir jedoch auf Herausforderungen: Die Ladeleistung blieb mit durchschnittlich 63 kW weit hinter den Werksangaben zurück, was die Ladezeit von 10 auf 80 % auf fast 50 Minuten streckte. Hier hofft die Community auf ein angekündigtes Software-Update zur Optimierung des Thermomanagements. Die alternativ erhältliche „Long Range“ Variante bietet zwar eine größere 80 kWh Batterie, lädt jedoch laut Datenblatt nur mit maximal 90 kW, was sie für Langstreckenfahrer paradoxerweise weniger attraktiv macht als das Standard-Modell.
Fazit
Der Mazda 6e ist eine optisch äußerst gelungene Elektro-Limousine, die viel Luxus und Platz zu einem konkurrenzfähigen Preis bietet. Er fährt sich Mazda-typisch engagiert und punktet mit einem sehr hochwertigen Innenraum. Die enge Verwandtschaft zu Changan bringt modernste Software-Features, aber auch eine radikale Touch-Bedienung mit sich. Das größte Fragezeichen bleibt derzeit die Ladeperformance bei kalten Temperaturen, die den Langstreckenkomfort im Winter einschränkt. Wer jedoch überwiegend zu Hause lädt oder auf das kommende Update setzt, erhält mit dem Mazda 6e eine charakterstarke und elegante Alternative zu den etablierten deutschen Elektro-Limousinen.
Der Autor
Autos begleiten mich nicht nur – sie prägen mich. Schon früh hat sich bei mir eine tiefe Begeisterung für alles entwickelt, was vier Räder hat. Diese Leidenschaft geht weit über den Alltag hinaus: Motorsport ist ein fester Bestandteil meines Lebens, genauso wie die Faszination für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte – vom kompromisslosen Sportwagen bis hin zum durchdachten Alltagsauto.
Über die Jahre habe ich mir durch zahlreiche Testberichte und praktische Erfahrungen ein fundiertes Verständnis für Fahrzeuge erarbeitet. Ich durfte viele Autos nicht nur kurz bewegen, sondern sie wirklich kennenlernen – auf der Straße, im Alltag und in unterschiedlichsten Situationen. Genau dieser Erfahrungsschatz fließt in meine Inhalte ein.
Danke, dass Ihr meine Leidenschaft teilt und Euch die Zeit nehmt, meine Inhalte zu verfolgen.
Mail: kontakt@nonstopdriving.eu







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